Heute möchte ich mich mit Ansprachen aus der Frühphase der Pandemie beschäftigen, sie helfen uns beim Verständnis für das Verhalten der seinerzeitigen Zivilgesellschaft. Weiters bietet sich mir momentan die Gelegenheit, einige militärische Dokumente zu sichten und einzuordnen, die möchte ich dem Leser natürlich nicht vorenthalten. Noch ein Wort zum Abschluss. Vor kurzem landeten auf meinem Schreibtisch Tagebücher, Gesprächsnotizen, Korrespondenz usw. Alles Geschichten, die den Lauf der Zeit nicht beeinflussten und daher oft einfach nur beiseitegelegt. Es sind jetzt nicht die Berichte über richtungsweisende Entscheidungen, nein sie sind Berichte über/von jenen, deren Schicksal dadurch entschieden wurde. Also dachte ich mir, es ist nicht nur meine Pflicht das Wissen unserer Zivilisation zu bewahren. Nein, ich denke, es ist auch meine Pflicht jenen eine Stimme zu geben, die für immer verstummt waren. Ich möchte daher jeden Beitrag mit einem Einzelschicksal schließen.
Beginnen wir heute mit einer Predigt Papst Andreas III. Die Predigt stammt aus der Frühphase der Pandemie, unmittelbar nach dem Zeitpunkt, an dem den Menschen die Wahrheit offenbart wurde.
Vatikan

„DIE GÜTE GOTTES KENNT KEIN GRAB“
Die Ansprache Seiner Heiligkeit Papst Franziskus II. zur gegenwärtigen Prüfung
(Die Glocken des Petersdoms läuten im Hintergrund ein schweres, langsames Motiv. Der Papst wirkt zerbrechlich, aber entschlossen, während er vom Balkon auf die menschenleeren Kolonnaden blickt.)
„Liebe Brüder und Schwestern,
die Nachrichten, die uns aus dem Herzen Europas, insbesondere aus dem edlen Österreich, erreichen, haben die Welt in eine Finsternis gestürzt, wie wir sie seit dem Kalvarienberg nicht mehr erlebt haben. Die Wissenschaft spricht von Erregern, von Biologie und von einem Ende der menschlichen Natur. Doch ich sage euch: Wir blicken nicht in das Antlitz eines Virus, sondern in den Spiegel unserer eigenen verlorenen Seelen.
Wir haben die Warnungen der Ministerin gehört. Doch die Antwort der Welt darf nicht der Stahl der Waffen oder die Arroganz der Labore sein.
Ich appelliere an die Mächtigen der Welt: Lasst ab von diesen gottlosen Genetikexperimenten! In eurem Hochmut versucht ihr, das Leben mit Mitteln zu retten, die die Schöpfung selbst verhöhnen. Wer versucht, das Geheimnis von Leben und Tod durch die Manipulation des Fleisches zu beherrschen, beschwört nur noch größeres Unheil herauf. Der Mensch darf nicht Gott spielen, erst recht nicht in der Stunde seiner tiefsten Demütigung.
Und zu euch, den Gläubigen, sage ich: Begegnet jenen, die nun wandeln, mit Barmherzigkeit. Man sagt euch, sie seien Monster. Man sagt euch, sie seien verloren. Doch vergessen wir nicht: Auch sie sind Ebenbilder Gottes. Auch in ihrem Leid, so unverständlich es uns erscheint, bleibt die Würde des menschlichen Lebens unantastbar. Wir dürfen unsere Herzen nicht gegen jene verschließen, die durch ein Schicksal gezeichnet sind, das wir nicht begreifen. Wer Gewalt sät, um den Tod zu besiegen, wird nur den ewigen Tod finden.
Vertraut nicht auf die Mauern, die ihr errichtet. Vertraut nicht auf die Seren, die ihr in eurer Angst zusammenbraut. Verlasst euch allein auf die Güte Gottes. Nur das Gebet und die Umkehr können diesen Kelch an uns vorübergehen lassen.
Wenn die Welt um uns her zerfällt, dann ist dies nicht das Ende, sondern ein Ruf zur absoluten Liebe. Legt die Waffen nieder. Öffnet die Arme – nicht im Kampf, sondern im Gebet.
Möge der Herr uns in dieser Nacht der Welt gnädig sein.“
Als nächstes möchte ich ihre Aufmerksamkeit auf ein Dokument lenken, dass sehr gut die Anfangsphase in Hong Kong darstellt. Zum Zeitpunkt der Entstehung dieses Werkes wussten die Behörden bereits um den wahren Charakter der Seuche, hielten mit genaueren Informationen für die Allgemeinheit noch weitgehend hinter dem Berg. Vermutlich hatte man noch die Hoffnung, dass man die Sache noch irgendwie unter Kontrolle bekommen würde.
Hong Kong

Archiv-Nr.: HK-POL-06-JUN-18 Quelle: Offizielles Presseportal der Hong Kong Police Force (HKPF) – Archivierter Mirror-Server. Datum: 18. Juni, Jahr 0 Status: Historisches Dokument (Phase 1: Das Flüstern)
PRESSEMITTEILUNG DER HONG KONG POLICE FORCE
ZUR SOFORTIGEN VERÖFFENTLICHUNG
BETREFF: AUSWEITUNG DER OPERATION „SILENT SHIELD“ – TOTALE AUSGANGSSPERRE FÜR DAS GESAMTE STADTGEBIET
HONG KONG – Der Commissioner der Hong Kong Police Force, Raymond Siu, gibt hiermit die sofortige Inkraftsetzung einer unbefristeten, 24-stündigen Ausgangssperre für alle Distrikte von Hong Kong, Kowloon und die New Territories bekannt.
Hintergrund der Maßnahme: In den vergangenen 48 Stunden kam es in mehreren Stadtteilen zu koordinierten, gewalttätigen Ausschreitungen durch eine noch nicht identifizierte terroristische Gruppierung. Diese Gruppierung nutzt eine neue Form chemischer Substanzen, die bei Betroffenen schwere neurologische Ausfälle, Desorientierung und unkontrolliertes Aggressionspotential hervorrufen. Um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und die Täter zu isolieren, ist eine totale räumliche Trennung der Bevölkerung zwingend erforderlich.
Anordnungen des Commissioners:
- Absolute Ausgangssperre: Ab heute, 18:00 Uhr Ortszeit, ist jeglicher Aufenthalt im öffentlichen Raum untersagt. Dies gilt auch für den Weg zur Arbeit oder Einkäufe.
- Rechtsfolgen: Personen, die gegen diese Anordnung verstoßen, werden als Unterstützer der terroristischen Zelle eingestuft. Aufgrund des ausgerufenen Notstands werden Zuwiderhandelnde ohne Anspruch auf Rechtsbeistand für unbestimmte Zeit festgesetzt.
- Einsatzbefehl: Die Sicherheitskräfte sind autorisiert, zur Durchsetzung der Sperre alle notwendigen Mittel anzuwenden.
Appell an die Bürger:
„Wir sind uns der Härte dieser Maßnahme bewusst. Doch ich versichere Ihnen: Dies ist kein Dauerzustand. Die Regierung hat die Lage unter Kontrolle. Wir benötigen lediglich 48 Stunden, um die verbleibenden Terrorzellen auszuheben und die öffentliche Ordnung wiederherzustellen.
Vertrauen Sie nicht den Gerüchten in den sozialen Medien über angebliche Krankheitsausbrüche. Dies ist ein rein sicherheitspolitisches Problem. Bleiben Sie in Ihren Wohnungen, verriegeln Sie die Türen und vertrauen Sie auf die Lösungskompetenz Ihrer Behörden. In zwei Tagen wird dieser Spuk vorüber sein und Hong Kong wird sicherer sein als je zuvor.“
Handeln Sie besonnen. Befolgen Sie die Anweisungen. Schützen Sie Ihr Zuhause.
Gezeichnet, Raymond Siu Commissioner of Police, Hong Kong
Von der Frühphase in die Spätphase. Die Republik Polen, war eine der Nationen, die der Virus mit voller Wucht traf. Hier breitete sich die Infektion in einem Tempo aus, dass schon mehr an das Tempo in der neuen Welt erinnert. In dem nun folgenden Dokument unterrichtet der polnische Marinechef seine auf See befindlichen Einheiten von der gegenwärtigen Lage an Land, und an das weitere Vorgehen der Armeeführung.
Polen

Archiv-Nr.: POL-MAR-09-SEP-05 Quelle: Breitband-Funkmitschnitt der schwedischen Küstenwache (Karlskrona) Datum: 05. September, Jahr 0 Absender: Admiral Tomasz Kwiatkowski, Chef der polnischen Marine (Marynarka Wojenna)
Funkspruch: Operation Weichsel – Ende
(Tonfall: Die Stimme des Admirals ist ruhig, aber von einer tief sitzenden Erschöpfung gezeichnet. Im Hintergrund sind gedämpfte Explosionen und das ständige Rauschen von Funkinterferenzen zu hören.)
„An alle Einheiten der polnischen Marine auf See. Hier spricht Admiral Kwiatkowski. Hören Sie genau zu, denn dies wird die letzte offizielle Übertragung des Oberkommandos sein.
Ich schildere Ihnen hiermit die Lage auf dem Festland, wie sie sich uns in dieser Stunde darstellt: Polen, wie wir es kannten, ist nicht mehr. Die Landstreitkräfte sind, bis auf wenige versprengte Brigaden, weitgehend zerschlagen oder überrannt. Unsere Luftwaffe operiert nur noch von einem einzigen Stützpunkt aus; wir verfügen über kaum mehr als eine Handvoll einsatzfähiger Flugzeuge und Hubschrauber. Rettungsdienste, Feuerwehr und Polizei sind faktisch nicht mehr existent. Die Zivilgesellschaft ist dem Reanimationssyndrom und der darauf folgenden Anarchie erlegen.
Teile der verbliebenen Regierung und die Reste des Heeres haben sich nach Großpolen zurückgezogen. Sie versuchen dort, sich einzugraben, Verteidigungslinien zu halten und auf Hilfe von außen zu hoffen. Doch wir müssen ehrlich sein: Es gibt niemanden mehr, der helfen könnte. Die Infrastruktur und die öffentliche Ordnung sind landesweit zusammengebrochen. Auch in Großpolen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die Lichter endgültig ausgehen. Es gibt keinen Nachschub mehr, keine Munition, kein Brot.
Da mittlerweile alle unsere Häfen – Gdynia, Danzig, Swinemünde – gefallen oder evakuiert sind, gibt es für Sie keine Basis mehr, in die Sie zurückkehren könnten.
Ich treffe daher die schwerste Entscheidung meiner Laufbahn: Ich entbinde Sie hiermit mit sofortiger Wirkung von Ihrem Eid gegenüber der Republik Polen.
Es steht Ihnen frei, sich anderen Nationen anzuschließen, sofern es dort draußen noch jemanden gibt, der Ordnung und Menschlichkeit bewahrt. Wenn Sie keine Hoffnung mehr auf See sehen, stelle ich es Ihnen frei, Ihre Schiffe aufzugeben und an Land zu gehen, um bei Ihren Familien zu sein oder auf eigene Faust zu überleben.
Männer, Frauen der Marine… ihr wart die tapfersten Matrosen, die sich dieses Land wünschen konnte. Es war mir eine Ehre, euer Admiral zu sein. Möge Gott über die Reste Polens wachen und euch auf den Wassern beistehen.
Hier Admiral Kwiatkowski. Ende der Übertragung. Ende der Republik. Lebt wohl.“
Analyse des Archivars
Dieser Funkspruch löste eine Welle von unterschiedlichen Reaktionen aus. Während einige Schiffe der polnischen Marine (wie die Fregatte ORP Gen. K. Pułaski) Kurs auf den Norden setzten und sich später den skandinavischen Evakuierungsflotten anschlossen, wählten andere den Freitod oder versuchten, sich in isolierte Küstenabschnitte zu retten. Admiral Kwiatkowski blieb laut späteren Berichten in seinem Gefechtsstand in Gdynia. Er wurde nie wieder gesehen.
Dieser Moment im September war das Signal für viele andere Ostseestaaten, dass das „Bollwerk Mitteleuropa“ endgültig gefallen war.
Abschließend möchte ich heute ein Tagebuchfragment aus dem ehemaligen Mexiko City ins Licht der Öffentlichkeit holen. Es stammt vom Höhepunkt der Krise auf dem amerikanischen Kontinent. Wie wir wissen wütete hier die amerikanische Variante, die den Menschen absolut keine Chance mehr ließ. Die mir vorliegenden Tagebuchaufzeichnungen sind leider nur lückenhaft vorhanden, ich bin aber großer Hoffnung, dass die Reste bei der Sichtung des restlichen Materials, das noch in Kisten in meinem Büro schlummert auftauchen werden.
Mexiko

Archiv-Nr.: MEX-DF-07-JUL-10/11 Quelle: Handgeschriebenes Tagebuch, gefunden in einem verlassenen Pickup-Wrack. Verfasser: Mateo G., ehemaliger Elektriker.
10. Juli – Jahr 0: Die Nacht der Feuer
Gott stehe uns bei. Wir dachten, wir könnten es aussitzen. Wir haben die Tür mit Schränken verrammelt, aber das Hochhaus ist eine Ruine und die Wände sind dünn wie Papier. Heute Nachmittag passierte es: Ein Hubschrauber der Polizei, wohl außer Kontrolle, stürzte zwei Blocks weiter in die Wohnhäuser. Der Lärm war ohrenbetäubend. Sofort brach Feuer aus. Eine schwarze Säule aus beißendem Plastikrauch stieg auf und fraß sich durch das Viertel.
Zuerst hörten wir die Sirenen der Feuerwehr, aber sie verstummten schnell. Dann kamen die Lastwagen der Sedena (Militär). Sie schossen. Erst einzelne Schüsse, dann Salven. Aber nach einer Stunde hörten wir, wie die Motoren ihrer Trucks aufheulten und sie sich zurückzogen. Sie sind einfach abgehauen. Jetzt regiert der Wahnsinn die Straße. Ich höre es pausenlos – dieses hohle Stöhnen, das kein Mensch hervorbringen kann, und die Schreie, die abrupt abbrechen.
Wir können nicht bleiben. Wenn das Feuer uns erreicht, sind wir hier oben wie Ratten im Ofen. Wir gehen zu meinem Bruder auf die Ranch im Norden. Dort ist Platz, dort gibt es Rinder und keine Menschenmassen. Elena hat alles zusammengepackt: Wasser, Bohnen, die Decken. Ich war draußen beim Parkplatz. Ich hatte meine Machete fest im Griff, aber ich bin keinem von denen begegnet. Nur anderen Männern mit Kanistern und hohlen Augen. Wir haben uns nicht angesehen. Ich habe Benzin aus den verlassenen Autos am Straßenrand gezapft. Der Geruch von Benzin und Tod liegt in der Luft.
Wir legen uns jetzt hin. Ein paar Stunden Schlaf, die Kinder schlafen schon zwischen den Taschen. Morgen früh, bevor die Sonne richtig da ist, brechen wir auf.
11. Juli – Jahr 0: Die Mauer aus Stahl
Es ist vorbei. Wir sind zurück in der Nähe des Hochhauses, versteckt in einer Seitenstraße. Mein Herz rast immer noch so sehr, dass ich kaum schreiben kann.
Wir sind heute Morgen zum Pickup. Es war anders als gestern. Überall auf dem Asphalt lagen Gestalten. Einige bewegten sich langsam, schleppten ihre Beine nach. Als wir einstiegen, peitschten plötzlich Schüsse durch die Luft – Nachbarn, die von den Dächern schossen. Ein Querschläger schlug direkt über dem Fenster von Luis ein. Ich habe nur noch geschrien: „Kopf runter!“
Ich habe den Motor aufheulen lassen und bin einfach losgefahren. Ich habe nicht hingesehen, als es unter den Reifen rumpelte. Ich bin durch zwei Gruppen von diesen Dingern durchgebrochen. Menschen standen am Straßenrand, hielten ihre Kinder hoch, flehten um Mitnahme, aber der Pickup war voll und ich hatte nur Angst, nackte Todesangst.
Nach fünf Kilometern der Schock: Die Autobahn war dicht. Hunderte Autos, Stoßstange an Stoßstange. Vor uns: Eine Mauer aus Militär-Lkw und Panzern. Soldaten mit Gasmasken hinter Sandsäcken. Über Lautsprecher dröhnte eine Stimme in Dauerschleife: „Quarantäne! Niemand verlässt den Sektor! Kehren Sie in Ihre Häuser zurück! Die Regierung arbeitet an einer Lösung. In wenigen Tagen ist die Lage unter Kontrolle!“
Niemand glaubte ihnen. Ein Mann in einem alten Ford vor uns hielt es nicht mehr aus. Er scherte aus, raste über den Grünstreifen, um die Sperre zu umfahren. Ich sah den Turm des Panzers drehen. Ein Blitz, ein Knall, und der Ford war nur noch ein brennender Ball aus Schrott. Elena schrie, ich hielt den Kindern die Augen zu. Dann begannen die Soldaten, mit Maschinengewehren in die stehenden Autos zu feuern, nur um uns zurückzutreiben.
Ich habe den Rückwärtsgang reingehauen, bin über einen Bordstein gesprungen und zurück in die Stadt gerast. Wir müssen hier weg, aber nicht über die Autobahn. Ich sitze jetzt hier im Pickup, der Motor läuft noch. Ich suche auf der Karte nach Feldwegen, nach Schleichwegen durch die Berge. Wir können nicht zurück ins Hochhaus. Wenn wir dort bleiben, sterben wir entweder durch das Feuer oder durch die Soldaten, die uns wie Vieh eingepfercht haben.
Analyse des Archivars.
Der Bericht von Mateo G. verdeutlicht das tragische Versagen der „Containment-Strategie“. Regierungen weltweit versuchten, das Virus in den Megastädten zu isolieren. Doch indem sie die Fluchtwege abschnitten, verwandelten sie Millionenstädte wie Mexiko-Stadt in gigantische Brutstätten für die var. furiens. Der Einsatz schwerer Waffen gegen die eigene Bevölkerung an den Stadträndern war der Moment, in dem der Gesellschaftsvertrag endgültig zerriss.
Ich möchte mich für heute verabschieden, ich habe aber noch einen vollen Schreibtisch und vor meinem Büro warten noch Kisten voll Material. Ich bin also bald wieder zurück. Bleiben Sie mir gewogen, auf Wiedersehen.
Kommentar verfassen