Schönen Guten Morgen. Ich freue mich, dass Sie auch heute wieder dabei sind. Ich bin gerade damit beschäftigt, einige Dokumente aus der Frühphase in Frankreich einzusortieren, sowie einen Tagesbefehl der südafrikanischen Streitkräfte. Aber, von Anfang an. Die Dokumente aus Frankreich drehen sich rund um einen Polizeieinsatz in und um ein Krankenhaus in Straßburg.
Frankreich

Zur Erklärung. Das Hôpital de Hautepierre in Strassburg war seinerzeit eine der größten Kliniken Frankreichs, hier hielten sich im Durchschnitt etwa 8000 Menschen auf, Anfang September 0 tauchte der Erreger zum ersten mal hier auf. Zu der Zeit wusste man im Hintergrund bereits Bescheid, womit genau man es zu tun hatte, verschwieg der Bevölkerung aber die Wahrheit, obwohl nicht nur ein Gerücht unterwegs war. Beginen wir mit der Aufarbeitung.
Gedächtnisprotokoll: Notruf Hôpital de Hautepierre
Datum: 02. September Zeit: 09:14 Uhr Teilnehmer: Prof. Dr. Meyer (Klinikdirektor), Leitstelle der Police Nationale
Polizei: Police Nationale Straßburg, Notruf. Was ist ihr Notfall?
Prof. Meyer: Hier spricht Professor Meyer, ärztlicher Direktor des Hôpital de Hautepierre. Ich fordere sofortige polizeiliche Unterstützung an. Wir haben eine Situation auf der Traumastation, Schockraum 1. Ein Patient ist völlig außer Kontrolle geraten.
Polizei: Ein Randalierer? Ist der Sicherheitsdienst vor Ort?
Prof. Meyer: (Stimme zittert leicht) Nein, Sie verstehen nicht. Der Patient war klinisch tot. Er wurde nach der Reanimation… er ist regelrecht erwacht und hat das Team angegriffen. Er hat mehrere Pfleger schwer verletzt und hält jetzt einen Assistenzarzt im verriegelten Raum fest. Wir brauchen das SEK – oder jemanden, der bewaffnet ist. Er ist… er ist wie von Sinnen. Er reagiert auf keine Ansprache.
Polizei: Herr Professor, beruhigen Sie sich. Eine Streife ist in der Nähe, aber für ein Sondereinsatzkommando brauche ich—
(Im Hintergrund ist das laute Knallen einer Tür zu hören. Schritte hastig auf Linoleum. Die Sekretärin, Frau Dubois, stürzt herein. Man hört ihr schweres Atmen und Schluchzen.)
Frau Dubois: (Schreiend) Monsieur le Directeur! Sie müssen das Telefon auflegen! Sie müssen das ganze Krankenhaus abriegeln! Sofort!
Prof. Meyer: (Hält die Sprechmuschel halb zu) Madame Dubois, ich telefoniere mit der Polizei! Was erlauben Sie sich—
Frau Dubois: (Unterbricht ihn völlig aufgelöst) Es ist nicht nur der Schockraum! Gerade kam der Funk aus der Onkologie und der Geriatrie! In der Onkologie ist eine Patientin während der Visite aufgesprungen… sie hat der Oberschwester die Kehle… und in der Geriatrie berichten sie von Patienten, die sich gegenseitig in den Gängen… (sie bricht in Tränen aus) …da ist überall Blut, Monsieur! Die Leute rennen um ihr Leben!
Prof. Meyer: (Stille am Telefon, sein Atem wird schneller) Onkologie auch? Das ist am ganz anderen Ende des Gebäudes…
Polizei: (Über den Lautsprecher) Hallo? Herr Professor? Was war das gerade? Was passiert in der Onkologie?
Prof. Meyer: (Mit eisiger, panischer Stimme ins Telefon) Hören Sie mir genau zu. Schicken Sie alles, was Sie haben. Sperren Sie die Straßburger Stadtautobahn und die Tramlinie A. Riegeln Sie das gesamte Viertel Hautepierre ab. Es ist kein Amoklauf. Es ist… Gott stehe uns bei… es verbreitet sich.
(Im Hintergrund ertönt plötzlich der schrille Alarm der hausinternen Notfallbenachrichtigung: „Code Silber – Interner Notfall – Bereich meiden“)
Worum es sich bei diesem Fall handelt sollte wohl klar sein, daher erspare ich ihnen an dieser Stelle großartige Erklärungen und fahre mit der Reaktion der Polizei fort.
Lagezentrum der Police Nationale, Straßburg
Der Beamte am Funk, Brigadier Laurent, hielt das Headset mit einer Hand fest gegen sein Ohr gepresst. Mit der anderen tippte er fieberhaft Befehle in das Einsatzsystem. „Alle verfügbaren Einheiten nach Hautepierre, Sektor Nord. Mögliche Geiselnahme, extrem gewalttätige Täter, Verdacht auf biologische Kontamination…“
Plötzlich spürte er eine schwere Hand auf seiner Schulter. Er fuhr herum. Hinter ihm stand Kommissar Beaumont, ein Veteran mit tiefen Augenringen, dessen Gesichtsausdruck jede Farbe verloren hatte.
„Laurent. Stopp“, sagte Beaumont leise, aber mit einer Bestimmtheit, die keinen Widerspruch duldete.
„Monsieur, der Klinikdirektor ist noch in der Leitung, die Situation eskaliert völlig, ich muss die Einheiten direkt in die Traumastation schicken, bevor—“
„Nein“, unterbrach ihn Beaumont. Er beugte sich vor und drückte die Taste für den Sammelruf aller Streifenwagen im Großraum Straßburg. Sein Blick klebte auf den Monitoren der Verkehrsüberwachung, die bereits die ersten Panikreaktionen vor dem Haupteingang des Hôpital de Hautepierre zeigten.
„Hier Zentrale an alle Einheiten im Sektor Hautepierre,“ dröhnte Beaumonts Stimme durch das Funknetz. „Änderung der Einsatzbefehle. Sofortige Wirkung. Bilden Sie eine Perimetersperre in 500 Metern Umkreis um das Klinikgelände. Sperren Sie die Avenue Molière und die Zufahrten zur A351.“
Laurent starrte seinen Chef entgeistert an. „Aber die Leute darin… wir müssen sie rausholen!“
Beaumont ignorierte ihn und fuhr fort: „Anweisung für die Postenkette: Niemand – ich wiederhole – niemand verlässt den Bereich. Weder zu Fuß noch im Fahrzeug. Wer die Absperrung durchbrechen will, ist mit der Dienstwaffe aufzuhalten. Notfalls mit tödlicher Gewalt. Die Sicherung des Krankenhauses im Inneren erfolgt durch spezialisierte CBRN-Einheiten, die bereits im Anflug sind. Halten Sie Ihre Positionen.“
Stille im Funkgerät. Dann das kurze Knacken der Bestätigungen von Dutzenden patrouillierenden Beamten, deren Stimmen vor Ungläubigkeit zitterten.
Beaumont ließ die Sprechtaste los und wandte sich an Laurent. „Sie haben von den Vorfällen im Grenzgebiet gehört, Laurent? Die ‚Grippe‘ in der Quarantänestation in Kehl?“
Laurent schluckte. „Ich dachte, das wären nur Gerüchte… Internet-Märchen.“
„Es sind keine Märchen“, sagte Beaumont und seine Stimme klang plötzlich wie die eines Mannes, der bereits aufgegeben hatte. „Der Beamte in dem Schockraum ist erst der Anfang. Wenn diese Sache das Krankenhaus verlässt, gibt es kein Straßburg mehr. Ich übernehme das Funkpult hier. Sie gehen runter in die Waffenkammer. Nehmen Sie sich eine HK G36 und Schutzmasken. Melden Sie sich bei der Straßensperre am Boulevard de l’Europe.“
„Aber Herr Kommissar…“
„Das ist ein Befehl, Brigadier! Gehen Sie! Und beten Sie, dass keiner dieser… Patienten… versucht, Ihre Sperre zu überrennen.“
Bei diesem Datensatz handelt es sich um einen sehr seltenen Augenzeugenbericht. Der Beamte hat den Ausbruch in Europa durch Zufall überlebt und bereicherte vor kurzem unser Wissen über den Ausbruch in Frankreich. wenden wir uns nun dem Einsatz durch das Sondereinsatzkommando zu.
MINISTÈRE DES ARMÉES / DIRECTION GÉNÉRALE DE LA GENDARMERIE NATIONALE
OPERATIONSZENTRALE SÜDWEST – SEKTOR ELSASS
DATUM: 02. SEPTEMBER, 10:12 UHR EINSATZCODENAME: „ORPHEUS-PROTOKOLL“ EINSATZORT: AREAL HÔPITAL DE HAUTEPIERRE, STRASSBURG
1. LAGEANALYSE
Im Objekt „Hautepierre“ ist ein biologischer Erreger (Typ: V-Omega/Klasse 5) ausgebrochen. Die Kontaminationsrate innerhalb des Gebäudes liegt bei geschätzten 85 %. Aufgrund der extremen Virulenz und der neurologischen Umstrukturierung der Wirte besteht die Gefahr einer globalen Ausbreitung. Die zivilen Behörden vor Ort (Police Nationale) haben keine Kenntnis über die wahre Natur des Erregers.
2. AUFTRAG
Vollständige Neutralisierung des Objekts. Der Perimeter ist klinisch zu reinigen. Ziel ist die absolute Unterbindung jeglicher biologischer oder informeller Leckagen.
3. DURCHFÜHRUNGSBESTIMMUNGEN (ROLES OF ENGAGEMENT)
- Neutralisierung: Innerhalb des perimetrischen Sperrgürtels (Klinikgebäude und unmittelbare Parkanlagen) sind keine Überlebenden vorgesehen.
- Zielgruppen: Dies umfasst Infizierte, zivile Patienten, medizinisches Personal sowie jegliche Exekutivkräfte der lokalen Polizei (Police Nationale), die sich zum Zeitpunkt der Riegelbildung innerhalb des inneren Kreises befinden.
- Begründung für Liquidierung von Personal: Angehörige der regulären Polizei im Innenring gelten aufgrund von Kontaktpotenzial als Primärvektoren und Mitwisser des Ausmaßes. Sie sind wie biologische Ziele zu behandeln.
- Identifikation: Einsatzkräfte tragen Vollschutz (Level A). Alles, was sich bewegt und keinen gültigen Transpondercode der Sondereinheit sendet, ist zu eliminieren.
4. KOMMUNIKATION & ISOLATION
- E-Sperre: Ab 10:15 Uhr wird das Projekt „Stille Nacht“ aktiviert. Breitband-Jamming unterdrückt jeglichen Mobilfunk, WLAN und zivilen Behördenfunk im Umkreis von 1,5 km.
- Interne Kommunikation: Ausschließlich über den geschlossenen Kanal „VULKAN“ (Quantenverschlüsselung).
- Öffentlichkeitsarbeit: Nach Abschluss der Operation wird eine Gasexplosion mit nachfolgendem Großbrand als Cover-Story ausgegeben.
5. BEFEHLSGEWALT
Die Einsatzleitung hat Befugnis nach Paragraph 16 (Notstandsprotokoll). Zeugen außerhalb des Perimeters, die Dokumentationen (Video/Audio) anfertigen, sind festzusetzen, Speichermedien sind zu zerstören.
„Zögern ist Verrat an der Menschheit. Reinigen Sie den Sektor.“
Unterzeichnet, Generalkommando der Sondereinsatzkräfte (COS)
Dieses Dokument gibt der Wissenschaft heute noch ein Rätsel auf, weshalb hielt man (Frankreich ist hier keine Ausnahme) mit der wahren Natur des Erregers so hinter dem Berg. Hätte der Klinikchef und vielleicht auch der kleine Beamte auf der Straße gewusst, was sich gerade rund um ihn ausbreitet wäre es vielleicht nicht so weit gekommen. Man könnte sich vorstellen, dass sich Exekutive und Medizin wesentlich vorsichtiger verhalten hätten. Aber weiter, diesen Fall können wir durch die großartige Arbeit unserer Aufklärungskräfte beinahe lückenlos darstellen. Das nächste Dokument zeugt von der Niedertracht, die einige Entscheidungsträger so an den Tag legten. Damit in dem doch recht großen und weitläufigen Krankenhaus keine Panik ausbrach, was die Arbeit der Beamten vermutlich erheblich erschwert, wenn nicht gar verunmöglicht hätte, griff man zu einem Trick. Die Sondereinheiten versuchten mittels Lautsprecherdurchsage Infizierte und Überlebende bzw. Gesunde zu trennen, damit man sich dann eine Gruppe nach der anderen vornehmen konnte.
DRINGENDE BEKANNTMACHUNG – PRÄFEKTUR GRAND EST / POLICE NATIONALE
ACHTUNG! Dies ist eine polizeiliche Anweisung für das Hôpital de Hautepierre.
An das gesamte medizinische und pflegerische Personal, das unverletzt ist und keine Biss- oder Kratzwunden aufweist:
Suchen Sie umgehend Schutz: Begeben Sie sich sofort in den nächstgelegenen, von innen verriegelbaren Raum (Büros, Materiallager, Stationärzimmer).
Kennzeichnung: Markieren Sie die Außenseite der Tür vor dem Verschließen deutlich (verwenden Sie Klebeband, Marker oder medizinische Kreide). Nur so können unsere Spezialkräfte Sie als Überlebende identifizieren.
Verbarrikadierung: Verriegeln Sie die Tür. Schalten Sie das Licht aus. Verbleiben Sie in absoluter Stille.
Schusswaffengebrauch: In Kürze beginnt die Räumung des Komplexes durch schwer bewaffnete Spezialkräfte der GIGN und des Militärs. Ignorieren Sie jeglichen Schusslärm, Schreie oder Explosionen in den Gängen.
Strikte Anweisung: Öffnen Sie die Tür unter keinen Umständen – auch nicht auf Flehen oder Rufen von Personen, die Ihnen bekannt vorkommen. Die Evakuierung erfolgt ausschließlich durch autorisierte Einheiten, die sich durch ein spezifisches Klopfsignal und die Durchsage Ihres Namens identifizieren werden.
Jede Person, die sich zum Zeitpunkt des Zugriffs in den Fluren oder offenen Bereichen aufhält, wird als unmittelbare Bedrohung eingestuft. Es besteht Schießbefehl.
Wiederholung: Nur markierte, verschlossene Räume werden evakuiert. Bleiben Sie in Deckung.

Was dann kam berichtete ein überlebender Sanitäter.
PERSÖNLICHES PROTOKOLL – ZEUGENBERICHT #09-HU-STR Berichterstatter: Jean-Luc Moreau, Notfallsanitäter (SAMU 67) Datum der Aufzeichnung: September 0 Ort: Sanitätsstation, HMS Defender (Keltische See)
Das Massaker in der Tiefgarage
Ich stand mit meinem RTW in der Anlieferungszone U1, als die ersten Einheiten der Spezialeinheiten eintrafen. Wir dachten, sie wären zur Sicherung da. Aber es gab keine Fragen. Keine Triage.
Ich sah durch den Rückspiegel, wie ein Trupp in schwarzen Uniformen die Rampe stürmte. Sie eröffneten sofort das Feuer auf eine Gruppe von Ärzten, die gerade versuchten, einen fixierten Patienten aus einem Krankenwagen zu heben. Die Projektile machten keinen Unterschied zwischen dem Infizierten und den Kollegen. Ich sah, wie Dr. Arnault von drei Kugeln in den Rücken getroffen wurde. Als ich ausstieg, um zu helfen, rutschte ich in einer Lache aus Blut und Desinfektionsmittel aus. Ein sterbender Patient neben mir wurde von einer Garand-Salve zerfetzt. Sein Blut spritzte über mein gesamtes Gesicht, meine Uniform, alles. Ich blieb einfach liegen. Ich hielt den Atem an, während die Stiefel der Polizisten zentimeterweit an meinem Kopf vorbeigingen. Sie schossen auf alles, was am Boden zuckte.
Die Falle in den Gängen
Was ich dann hörte, war schlimmer als das Sterben in der Garage. Die Einheiten rückten in die oberen Stockwerke vor. Über die Funkgeräte und durch die Lüftungsschächte hörte ich ihre Taktik. Sie gingen von Tür zu Tür. Sie riefen mit ruhigen, autoritären Stimmen: „Hier Polizei! Öffnen Sie, wir evakuieren Sie! Nennen Sie Ihren Namen!“
Sobald die Klinke nachgab, sobald ein verzweifelter Kollege in der Hoffnung auf Rettung die Tür einen Spalt breit öffnete, hörte ich nur noch das rhythmische Plopp-Plopp der schallgedämpften Waffen oder das ratternde Feuer der MP5s. Sie räumten nicht das Krankenhaus. Sie säuberten es. Sie liquidierten die Zeugen und die Opfer gleichermaßen.
Der Ausbruch
Als der Lärm sich in die oberen Etagen verlagerte, wusste ich, dass ich sterben würde, wenn ich bleibe. Ich kroch zurück in meinen Wagen. Der Motor des Mercedes-Sprinter sprang beim ersten Mal an. Ich trat das Pedal durch. Das Rolltor der Garage war verriegelt, aber die Wucht des Wagens riss die Halterungen aus dem Beton.
An der äußeren Absperrung beim Boulevard de Hautepierre standen zwei Polizisten hinter einem Streifenwagen. Sie hoben ihre Waffen und zielten direkt auf meine Windschutzscheibe. Ich duckte mich tief in den Fußraum und hielt das Lenkrad nur noch mit einer Hand fest. Ich spürte zwei harte Schläge gegen das Blech, dann zwei dumpfe Aufpralle unter den Reifen. Ich habe nicht gebremst. Ich bin einfach gefahren, bis der Tank fast leer war, immer Richtung Westen.
Die Flucht zur Küste
Ich mied die Autobahnen. Ich erreichte die Bretagne nach einigen Tagen. In einem kleinen Fischerdorf bei Brest lag ein britisches Kriegsschiff vor Anker, das letzte Evakuierungen für Staatsangehörige durchführte. Ich rannte schreiend auf den Steg, die Hände erhoben, immer noch in der blutverschmierten Uniform von Straßburg. Die Briten waren nervös, sie zielten auf mich, aber sie schossen nicht sofort. Ein Offizier sah mein SAMU-Abzeichen und befahl, mich zu desinfizieren und an Bord zu bringen.
Ich bin jetzt seit einer Woche auf der Defender. Sie sagen, wir fahren nach Norden, weg vom Festland. Aber jede Nacht höre ich das Geräusch der Schüsse in der Garage von Hautepierre. Wir waren dort, um zu helfen. Und sie haben uns wie Vieh abgeschlachtet.
Ich vermute, dass auch Sie nach der Durchsicht dieser Dokumente (und Sie stellen nur einen Bruchteil dessen, was auf meinem Schreibtisch noch auf seine Bearbeitung wartet, dar), zu dem Schluss kommen, dass hier der französische Staat Beamtenversagen geradezu zur Kunstform erhoben hat.
Südafrika

Beim nun folgenden Datensatz handelt es sich um die Kommunikation zwischen der Besatzung eines Aufklärungshelikopters der südafrikanischen Luftwaffe und ihrem direkten Vorgesetzten im Tower.
Einsatzgebiet: Grenzregion Limpopo, Südafrika
Einheit: Oryx-Hubschrauber „Vulture 1-4“ (SAAF – South African Air Force)
Gegenstelle: Tower Air Force Base Hoedspruit (ZULU-ZENTRALE)
Datum: 05. September
Funkprotokoll-Auszug: Fallnummer SAAF-88-ALPHA
Vulture 1-4: Zulu-Zentrale, hier Vulture 1-4. Haben Sichtkontakt. Gruppe von ca. 15 Personen, 2 Kilometer südlich des Limpopo-Knicks. Koordinaten: $22°14’S, 29°52’E$. Bewegen sich Richtung Süden ins Buschland. Fordern Bodentruppen zur Festsetzung an. Kommen.
Tower: Vulture 1-4, hier Zentrale. Meldung erhalten. Warten Sie auf Bestätigung… (Stille für 12 Sekunden) … Vulture 1-4, bleiben Sie in der Leitung. Ihr aktueller Status wird evaluiert.
Vulture 1-4: Zentrale? Wir kreisen hier seit drei Minuten. Die Gruppe teilt sich auf. Wo bleiben die Bodentruppen? Wenn wir nicht bald jemanden schicken, verlieren wir sie im Dickicht. Kommen.
Tower: (Stimme wechselt zu Oberst Steyn, Einsatzleiter) Vulture 1-4, hier spricht Oberst Steyn. Hören Sie genau zu. Gemäß dem heute um 10:00 Uhr in Kraft getretenen Sonderbefehl „Iron Curtain“ wird Ihr Tagesbefehl mit sofortiger Wirkung wie folgt geändert: Jede Person, die die Grenze außerhalb markierter Übergänge überschreitet, ist als feindlicher Kombattant einzustufen. Eine Festsetzung durch Bodentruppen entfällt.
Vulture 1-4: (Pause, kurzes Rauschen) Zentrale, ich glaube, ich habe Sie falsch verstanden. Wiederholen Sie das. Wir haben hier Frauen und Kinder in der Gruppe. Was ist mit den Bodentruppen? Kommen.
Tower: Vulture 1-4, keine Wiederholung nötig. Befehl lautet: Unverzügliche Liquidierung aus der Luft. Sie führen ein Scharfschützenteam mit sich. Nutzen Sie es. Eliminieren Sie die Ziele direkt am Grenzzaun. Keine Gefangenen. Bestätigen Sie.
Vulture 1-4: (Stimme des Piloten wird laut) Das ist verdammt nochmal illegal, Oberst! Das sind Zivilisten, keine Invasionsarmee! Wir sind hier zur Grenzsicherung, nicht zur Exekution! Ich werde meine Männer nicht anweisen, auf unbewaffnete Flüchtlinge zu schießen. Senden Sie die Militärpolizei, wenn Sie wollen, aber wir rühren keinen Abzug an!
Tower: (Eisig) Hauptmann, mäßigen Sie Ihren Ton. Dies ist kein Vorschlag, sondern ein direkter Befehl des Oberkommandos. Wir befinden uns im Ausnahmezustand. Ich erinnere Sie an das Militärstrafgesetzbuch, Artikel 4: Gehorsamsverweigerung im aktiven Grenzdienst wird unter diesen Umständen als Hochverrat gewertet. Die Strafe dafür kennen Sie.
Vulture 1-4: (Im Hintergrund hört man die hitzige Diskussion der Besatzung) Das können die nicht ernst meinen… Oberst, wir haben hier Sichtkontakt! Das sind Menschen, die vor Gott weiß was weglaufen! Wenn wir das tun, gibt es kein Zurück mehr.
Tower: Es gibt bereits kein Zurück mehr, Hauptmann. Die Welt hat sich seit heute Morgen geändert. Entweder Sie säubern diesen Sektor innerhalb der nächsten fünf Minuten, oder Sie werden bei Ihrer Landung verhaftet und durch eine Besatzung ersetzt, die bereit ist, das Land zu schützen. Ende der Diskussion. Führen Sie den Befehl aus oder drehen Sie ab zur Arrestierung. Wie ist Ihre Entscheidung?
(Lange Stille im Funk, nur das rhythmische Schlagen der Rotorblätter ist im Hintergrund zu hören)
Vulture 1-4: (Stimme flach, resigniert) Verstanden, Zentrale. Vulture 1-4… beginnt mit dem Einsatz. Scharfschütze macht sich bereit. Ende.
Tower: Gute Entscheidung, Hauptmann. Melden Sie Vollzug, wenn der Sektor bereinigt ist. Zulu-Zentrale Ende.
Das war es für den heutigen Tag, sobald ich wieder eine Sammlung so weit habe, dass man sie der Öffentlichkeit präsentieren kann versorge ich den geneigten Leser mit Informationen. Ich bedanke mich für ihre Aufmerksamkeit, bleiben Sie mir gewogen, bis bald und Auf Wiedersehen.