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  • Geheime Einblicke in Dokumente der Pandemie

    Geheime Einblicke in Dokumente der Pandemie

    Ich wünsche einen schönen guten Abend hier aus meinem Archiv. Heute landete wieder einige Datensätze auf meinem Schreibtisch, von denen manche, so meine ich von besonderen öffentlichen Interesse sind. Ein Satz aus dem ehemaligen Deutschland, der uns vor Augen führt, wie die konsequente Geheimhaltung Europas zur Frühphase der Pandemie das Unglück nur beschleunigte. Ich bin auch auf eine besondere Pressesammlung aus Südafrika gestoßen, die man der Öffentlichkeit nicht vorenthalten sollten. Der Umstand, dass die HMS Daring momentan vor Anker liegt und generalüberholt wird bot mir die Gelegenheit, die Funkprotokolle des Schiffes auszuwerten, sie reichen bis in das Jahr 1 vor der Pandemie zurück. Auch hier fand ich einen Datensatz, der von öffentlichem Interesse ist. Ich werde auch heute meine Tradition fortführen und mit einem Einzelschicksal abschließen. Beginnen wir nun mit dem Beitrag aus Deutschland. Es handelt sich um ein Dokument aus der Frühphase Europas.

    Deutschland

    Eine Gruppe von Soldaten in einem kriegerischen Setting, während ein Soldat Notizen macht.

    Dokument 1.5: Einsatzbefehl – Operation „Heimatschutz Berlin“

    Ort: Julius-Leber-Kaserne, Berlin-Reinickendorf

    Datum: ? Jahr 0

    Zeit: 05:30 Uhr

    Sprecher: Oberst i.G. Holger von Stetten

    Empfänger: 3. Sanitätsregiment 1 / 7. ABC-Abwehrbataillon 7

    Protokoll der Ansprache

    (Oberst von Stetten tritt vor das Karree. Die Soldaten stehen in Formation, es herrscht gedrückte Stille. Die Morgensonne wirft lange Schatten auf den Appellplatz.)

    Oberst von Stetten:

    „Soldatinnen und Soldaten, rühren!

    Ich werde mich kurz fassen. Sie alle haben die Gerüchte der letzten Tage gehört. Vergessen Sie sie. Wir sind Soldaten der Bundeswehr, keine Leser von Klatschblättern. Die Lage in den Berliner Krankenhäusern und bei den zivilen Rettungskräften ist aufgrund einer unklaren Infektionslage angespannt. Der Senat hat um Amtshilfe gemäß Artikel 35 Grundgesetz ersucht.

    An die Sanitätskompanie: Ihr Auftrag lautet: Unterstützung des Personals in der Charité und im Virchow-Klinikum. Sie verstärken die Triage und die pflegerische Basisversorgung.

    Dabei gilt: Sie leisten diesen Dienst unbewaffnet. Wir sind hier nicht im Einsatzland, wir sind in der Bundeshauptstadt. Sie unterstehen fachlich den Anordnungen der zivilen Rettungskräfte und der Exekutive vor Ort.

    Zur Sicherheit und Geheimhaltung: Ich mache das unmissverständlich klar: Dieser Einsatz unterliegt der höchsten Geheimhaltungsstufe. Jeglicher Kontakt zur Presse, zu schaulustigen Dritten oder zur Außenwelt ist untersagt. Das gilt ab sofort auch für Ihre Angehörigen. Ihre Mobiltelefone werden bis auf Weiteres eingezogen. Wir können keine Panik in der Bevölkerung gebrauchen, nur weil ein Soldat glaubt, eine Schauergeschichte nach Hause schicken zu müssen. Bei Konfrontationen mit Zivilisten halten Sie sich zurück und wenden sich umgehend an die anwesende Polizei. Sie sind dort, um zu helfen, nicht um zu eskalieren.

    Nun zum ABC-Abwehrtrupp: Ihr Auftrag ist spezifisch. Sie unterstützen die Berliner Feuerwehr bei der Bergung und Entsorgung von kontaminiertem Material und Verstorbenen. Auch Sie führen keine Waffen. Zu Ihrem Schutz und zur Sicherung der nationalen Integrität werden Ihre Trupps jedoch permanent von Feldjägern und Einheiten der Berliner Polizei begleitet.

    Die Verstorbenen werden in Sondertransporten aus den Kliniken direkt an einen gesicherten Ort im Umland verbracht. Dort erfolgt unter Ihrer Aufsicht die sofortige thermische Vernichtung. Keine Autopsien, keine Aussegnungen, keine Verzögerungen. Brandschutz und Kontaminationsschutz haben oberste Priorität.

    Gibt es Fragen? Kurz und präzise!“

    Fragerunde

    Hauptgefreiter Müller (San.): „Herr Oberst, bei allem Respekt – was ist das für eine Krankheit? Die Leute in der Charité reden von Dingen, die… die medizinisch keinen Sinn ergeben. Müssen wir uns besonders schützen?“

    Oberst von Stetten: „Gefreiter, Sie sind Sanitäter, kein Virologe. Mit hochkomplexen medizinischen Details könnten Sie in Ihrer Funktion ohnehin nichts anfangen. Halten Sie sich an die ausgegebenen Hygienerichtlinien. Das muss Ihnen genügen.“

    Oberfeldwebel Schmidt (ABC): „Herr Oberst, Sie sprachen von Konfrontationen. Mit wem? Und wohin genau bringen wir die Toten? Wir müssen die Logistik für den Vorort planen.“

    Oberst von Stetten: „Oberfeldwebel, welche Konfrontationen entstehen könnten, werden Sie sehen, wenn es so weit ist. Und was den Bestimmungsort angeht: Die Koordinaten erhält der jeweilige Fahrzeugführer bei Abfahrt. Vorher nicht. Es ist ein geheimer Ort, und das bleibt er auch.“

    Abschluss

    Oberst von Stetten:

    „Lassen Sie mich eines deutlich sagen: Wir befinden uns in einer Lage, die nationale Disziplin erfordert. Wer die Geheimhaltung bricht, wer Informationen nach draußen trägt oder den Dienst verweigert, wird umgehend wegen Landesverrats und Gehorsamsverweigerung inhaftiert. Wir befinden uns faktisch im Verteidigungszustand, auch wenn es noch niemand so nennt.

    Haben wir uns verstanden?

    Sanitäter und ABC-Trupp: Abmarschbereitschaft in 15 Minuten!

    Abtreten!“

    Analyse des Archivars

    Oberst von Stetten wusste am 15. Juli bereits, dass die „Toten“ nicht immer tot blieben. Die Begleitung durch Feldjäger diente nicht dem Schutz der ABC-Soldaten vor Zivilisten, sondern dem Schutz vor den eigenen Kameraden, sollten diese bei den Verbrennungen im Berliner Umland (nahe dem ehemaligen Truppenübungsplatz Döberitzer Heide) die Nerven verlieren. Von den 180 Soldaten, die an diesem Morgen abtraten, kehrte keiner in seine Kaserne zurück.

    DOKUMENT 1.6: EINSATZPROTOKOLL „SÜD-WEST“

    Einheit: 2. Kompanie, Feldjägerregiment 1 (Begleitschutz)

    Einsatznummer: B-HK-07/15-02

    Datum: 15. Juli, Jahr 0

    Transport-ID: KONVOI-DELTA (3x LKW 5t gl, 1x SanPz Fuchs, 2x Feldjäger-Kfz)

    Zielort: Liegenschaft „Objekt 22-A“ (Ehemalige militärische Deponie, Brandenburg)

    I. ZEITLICHER ABLAUF

    21:14 Uhr: Beladung der LKW 1 bis 3 am rückwärtigen Ausgang der Charité abgeschlossen. Ladung: 42 „Sondereinheiten“ (verstorbene Patienten in vorschriftsmäßigen B-Schutzhüllen). ABC-Trupp unter Führung OFw Schmidt meldet Abmarschbereitschaft.

    21:50 Uhr: Konvoi verlässt das Stadtgebiet Berlin via AVUS. Keine besonderen Vorkommnisse. Die Geheimhaltung ist gewahrt.

    22:20 Uhr: Ankunft am Waldrand nahe „Objekt 22-A“. Der Konvoi stoppt vor dem verschlossenen Haupttor.

    22:22 Uhr: Beginn des Zwischenfalls.

    II. BESCHREIBUNG DES ZWISCHENFALLS

    Während der Prüfung der Einfahrtspapiere meldet der Fahrer von LKW 2 (HG Müller) über Funk ungewöhnliche Geräusche von der Ladefläche. Er beschreibt es als „heftiges Schlagen gegen die Bordwand“ und „Scharrgeräusche“.

    Ich (Hauptmann Weber) befahl OFw Schmidt (ABC), die Ladungssicherung visuell zu prüfen, ohne die Plane zu öffnen. Noch vor Durchführung des Befehls kam es zu massiven Erschütterungen im Inneren von LKW 2. Die Plane wurde von innen durchstoßen. Dabei wurde deutlich, dass die verwendeten B-Schutzhüllen (Leichensäcke) von innen zerrissen worden waren.

    Um 22:25 Uhr fiel eine der Einheiten vom Ende der Ladefläche direkt vor den SanPz Fuchs. Die Einheit (weiblich, ca. 60 Jahre, bekleidet mit Krankenhaushemd) wies keine Vitalzeichen auf, bewegte sich jedoch mit hoher Frequenz und unnatürlicher Kraft. Trotz einer offensichtlichen Fraktur des rechten Beins durch den Sturz versuchte die Einheit, die Feldjäger-Patrouille anzugreifen.

    III. MASSNAHMEN UND REAKTION

    Der ABC-Trupp geriet kurzzeitig in Panik. HG Müller verließ eigenmächtig das Fahrerhaus und wurde von einer zweiten Einheit, die von der Ladefläche sprang, am Hals verletzt.

    Gemäß der mündlichen Voranweisung von Oberst von Stetten für „Extremsituationen im Rahmen der Seuchenabwehr“ wurde die sofortige thermische Bereinigung vor Ort angeordnet.

    Feuerkampf: Die Feldjäger-Begleitung setzte ihre Dienstwaffen (HK G36) ein, um die flüchtigen Einheiten zu stoppen. Es wurde festgestellt, dass Treffer in den Torso keine Wirkung zeigten. Erst gezielte Treffer im Kopfbereich führten zur Immobilität.

    Brandsetzung: Da eine Rückführung der kontaminierten Fahrzeuge in die Kaserne ausgeschlossen war, wurden alle drei LKW inklusive der verbliebenen Ladung unter Einsatz von Brandbeschleunigern (Depotbestand Objekt 22-A) noch auf dem Zufahrtsweg vernichtet.

    IV. VERLUSTE UND SCHÄDEN

    Personal: HG Müller (San) – vermisst/als verloren eingestuft nach Bissverletzung und anschließendem Brandereignis.

    Material: 3x LKW 5t gl (vollständig zerstört), 42 Einheiten (thermisch neutralisiert).

    Personal (Sicherheit): Zwei Feldjäger unter Schock, nach Rückkehr in die Julius-Leber-Kaserne unter Quarantäne gestellt.

    V. BESONDERE BEOBACHTUNGEN

    Die Einheiten gaben während des gesamten Vorfalls keine Schmerzensschreie oder sonstige verbale Laute von sich. Das Geräusch beim Aufprall der Körper auf dem Asphalt glich dem von leblosem Material, ungeachtet der sofortigen anschließenden Angriffsbewegungen.

    Gez. Weber, Hauptmann

    Feldjägerregiment 1

    Anmerkung des Archivars

    Dieses Protokoll wurde nie archiviert, sondern sollte vernichtet werden. Ein Feldwebel der Schreibstube kopierte es heimlich, bevor er drei Tage später desertierte. Es ist das erste deutsche Militärdokument, das die Wirkungslosigkeit konventioneller Trefferzonen und die absolute Notwendigkeit der „thermischen Bereinigung“ faktisch belegt. Dass man HG Müller einfach dem Feuer überließ, zeigt, wie schnell die Menschlichkeit der militärischen Zweckmäßigkeit wich.

    Der nächste Datensatz führt uns ein ganzes Stück nach Süden, um genauer zu sein nach Johannesburg (Südafrika) hier handelt es sich um einen Pressetext, der etwa zu der Zeit entstand, als der wahre Charakter der Krankheit so allmählich publik wurde.

    Südafrika

    Eine Gruppe von Männern rennt durch eine staubige Landschaft, umgeben von einfachen Hütten. Sie sind schmutzig und scheinen emotional aufgeregt zu sein.

    THE JOHANNESBURG GAZETTE

    Mittwoch, 19. Juli, Jahr 0 | Preis: 18.00 Rand

    CHAOS IN DIEPSLOOT: POLIZEI AN DER BELASTUNGSGRENZE – WER SCHÜTZT UNSERE VORSTÄDTE?

    Von Hendrik van de Merwe

    JOHANNESBURG – Während die Regierung in Pretoria weiterhin von einer „kontrollierten Lage“ spricht, glichen die Szenen gestern in der informellen Siedlung Diepsloot einem Kriegsschauplatz. Fast das gesamte Aufgebot der South African Police Service (SAPS) aus dem Großraum Johannesburg wurde zusammengezogen, um einen vermeintlichen „Aufstand“ niederzuschlagen. Doch Augenzeugen berichten von weit verstörenderen Szenen als bloßen sozialen Unruhen.

    Gerüchte über die „Reanimations-Krankheit“, die bereits weite Teile Zentralafrikas und Südostasiens verheert hat, erhielten gestern neue Nahrung. Rauchwolken hingen über dem Slum, während gepanzerte Fahrzeuge versuchten, die engen Gassen abzuriegeln. Offiziell spricht das Innenministerium von „gewalttätigen Ausschreitungen unzufriedener Elemente“. Inoffiziell sickern Berichte über Hospitalisierungen durch, bei denen Patienten eine unnatürliche Aggression und „postmortale Symptome“ zeigten.

    Ein Skandal der Prioritäten

    Was die steuerzahlenden Bürger von Sandton, Bryanston und Houghton jedoch am meisten erzürnen sollte, ist nicht das Elend in den Townships, sondern die völlige Entblößung der zivilisierten Viertel. Während Hunderte von Polizisten ihre Zeit damit verschwenden, einen aussichtslosen Kampf in einem Viertel zu führen, das ohnehin keinen Beitrag zum Bruttosozialprodukt leistet, bleiben die echten Stützen der Gesellschaft schutzlos zurück.

    „Es ist ein Skandal“, sagt ein Anwohner einer Gated Community in Sandton. „Wir zahlen die höchsten Sicherheitssteuern der Welt, aber unsere Streifenwagen stehen jetzt in Diepsloot, um Sozialschmarotzer davon abzuhalten, sich gegenseitig zu beißen. Wer schützt uns, wenn diese Krankheit über die Mauern unserer Viertel klettert?“

    Die Sorge ist berechtigt: Wenn die Polizei alle Kräfte in einem „vernachlässigbaren Viertel“ bindet, entsteht ein Sicherheitsvakuum, das Kriminelle – und womöglich weit Schlimmeres – geradezu einlädt. Die Verbreitung der Krankheit auf den produktiven und wertvollen Teil der Gesellschaft scheint nur noch eine Frage der Zeit, wenn die Quarantäne-Maßnahmen weiterhin so halbherzig durchgeführt werden.

    Pretoria beschwichtigt weiter

    Ein Sprecher der Regierung wies die Kritik der Gazette gestern Abend scharf zurück. „Wir haben ein begrenzbares Problem in Diepsloot“, hieß es in einer kurzen Mitteilung. „Jeder Bürger Südafrikas, ungeachtet seines Wohnortes, hat eine Daseinsberechtigung und Anspruch auf staatlichen Schutz. Wir rufen zur Besonnenheit auf und warnen vor Spaltung.“

    Besonnenheit ist jedoch schwer zu wahren, wenn man sieht, wie die Ressourcen der Nation in den Abgrund der Townships geworfen werden, während die Sicherheit derer, die dieses Land am Laufen halten, sträflich vernachlässigt wird. Wenn Diepsloot fällt, ist das eine Tragödie. Wenn Sandton fällt, ist es das Ende von Südafrika.

    Analyse des Archivars

    Dieser Artikel der „Johannesburg Gazette“ ist ein Paradebeispiel für die soziale Fragmentierung während der Phase 1. Anstatt die medizinische Gefahr des Thanatomorphus zu erkennen, wurde das Problem durch die Linse von Klasse und Rasse betrachtet. Die Arroganz der „Steuerzahler“, die glaubten, Mauern könnten ein Virus aufhalten, führte dazu, dass die Evakuierung der Stadtgebiete viel zu spät eingeleitet wurde. Diepsloot war nicht der Aufstand, vor dem sie sich fürchteten – es war das Grab, das sie alle erwartete.

    Beim nächsten Beitrag handelt es sich um den Auszug der Funkprotokolle der HMS Daring. Sie haben die Kommunikation zwischen Jean-Luc Moreau einem Kommissar der Europäischen Union und Admiral Thomas Miller, dem damaligen Kommandanten der HMS Daring.

    Jersey, Großbritannien

    Ein Kriegsschiff im Sturm, das eine Rakete startet, während Wellen um das Schiff toben.

    DOKUMENT 2.3: FUNKPROTOKOLL – SEKTOR KANALINSELN

    Datum: ? Jahr 0

    Zeit: 14:32 Uhr UTC

    Station Alpha: HMS DARING (Zerstörer der Type 45, Royal Navy)

    Station Beta: CHARLIE-QUEBEC 01 (Eurocopter AS332, Kennung: République Française)

    Einstufung: GEHEIM (Archiv New Britain)

    HMS Daring: Unbekannter Hubschrauber auf Kurs 320, Position 15 Meilen südlich von Jersey. Hier spricht HMS Daring. Sie dringen in eine militärische Sperrzone ein. Drehen Sie sofort ab auf Kurs Süd.

    CQ-01 (Pilot): HMS Daring, hier Charlie-Quebec 01. Wir führen einen diplomatischen Sonderflug durch. An Bord befindet sich EU-Kommissar Jean-Luc Moreau. Wir erbitten sofortige Landeerlaubnis auf dem Flughafen Jersey zur Evakuierung von Kulturgütern und Personal.

    HMS Daring: Charlie-Quebec 01, negativ. Gemäß dem königlichen Dekret vom 22. Juli ist der gesamte Luftraum über den Kanalinseln für nicht-britische Flugkörper gesperrt. Das Territorium wird zur exklusiven Evakuierung britischer Staatsbürger befestigt. Drehen Sie ab, oder Sie werden abgefangen.

    CQ-01 (Kommissar Moreau übernimmt den Funk): Hören Sie mich gut, Kapitän? Hier spricht Kommissar Moreau. Ich genieße volle diplomatische Immunität nach der Wiener Konvention. An Bord befinden sich unschätzbare Werke der europäischen Geschichte. Sie haben nicht das Recht, mich aufzuhalten. Öffnen Sie den Luftraum!

    HMS Daring: Monsieur Moreau, hier spricht Captain Miller. Meine Befehle stammen direkt vom Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Seiner Majestät dem König. Es gibt keine Ausnahmen für Diplomaten. Die Inseln sind überfüllt und unterliegen dem Kriegsrecht.

    CQ-01 (Moreau): (Stimme wird lauter, höhnisch) Ihre Majestät? Machen Sie sich nicht lächerlich! Großbritannien mag die Union verlassen haben, aber Sie sind immer noch wirtschaftlich an uns gebunden. Wenn Sie mir den Durchflug verweigern, werde ich dafür sorgen, dass Ihr Königreich nach dieser Krise komplett isoliert wird. Ich unterhalte mich nicht mit einem Lakaien in Uniform. Verbinden Sie mich mit einem gewählten Regierungsvertreter! Ihr König wurde nicht gewählt, er hat keine demokratische Legitimation, mir – einem Vertreter der europäischen Institutionen – Befehle zu erteilen!

    HMS Daring: (Ruhig) Monsieur, es gibt keine zivile Regierung mehr, die Ihren Anruf entgegennimmt. In zehn Meilen erreichen Sie britisches Hoheitsgebiet. Wir sind angewiesen, den Luftraum mit allen Mitteln, einschließlich Luftabwehrraketen des Typs Sea Viper, gegen unbefugte Eindringlinge zu verteidigen. Dies ist keine Verhandlung. Dies ist eine Warnung.

    CQ-01 (Moreau): (Schreit) Leere Phrasen! Sie wagen es nicht, auf einen EU-Kommissar zu feuern! Diese antiquierte Monarchie ist am Ende, und Sie klammern sich an Protokolle aus dem Mittelalter, während die Welt brennt. Sie sind ein Relikt, Kapitän! Jersey gehört der Menschheit, nicht einer Krone, die…

    HMS Daring: Monsieur, genug. Dies war Ihre letzte Warnung. Ich stelle den Funkverkehr jetzt ein. Drehen Sie ab oder tragen Sie die Konsequenzen. Ende.

    CQ-01 (Moreau): …Sie und Ihr kleiner König werden vor einem Tribunal landen! Die Welt braucht keine Könige mehr, wir brauchen Vernunft und…

    CQ-01 (Pilot): (Übersteuert, panisch) Monsieur, halten Sie den Mund! Radar-Lock! Wir haben ein Aufschaltsignal! HMS Daring, wir drehen ab! Wir drehen a— SCHEISSE! FLARE! FLARE! RAKETE IM ANFLUG! SIE HABEN GEFEUERT! GOTT, SIE HABEN WIRKLICH—

    (Statisches Rauschen, ein heftiges Knallen, dann Funkstille)

    HMS Daring: Radarziel vernichtet. Position 12 Meilen südlich Jersey. Keine Überlebenden wahrscheinlich. Vermerken: Verletzung des königlichen Luftraums unterbunden. Zurück zu Routinepatrouille.

    Analyse des Archivars

    Der Abschuss von Kommissar Moreau über dem Ärmelkanal markiert das Ende der politischen Diplomatie des 21. Jahrhunderts. Während Moreau über demokratische Legitimation stritt, hatten die Streitkräfte der Nationalstaaten bereits zur archaischen Logik des Territoriums zurückgefunden. Die Kunstwerke an Bord – darunter drei Originale von Rubens – versanken im Meer. Es war das erste Mal, dass eine „zivilisierte“ Nation eine Rakete auf einen Verbündeten feuerte, nur um eine Quarantänezone zu halten.

    Den heutigen Abschluss bildet die Nachricht einer bulgarischen Krankenschwester an eine krankheitsbedingt freigestellte Kollegin und scheinbar auch gute Freundin. Die Nachricht wurde über einen zu dieser Zeit recht beliebten Messenger Dienst versandt. Ich stieß darauf, als ich herrenlose Mobiltelefone, die an Bord eines Flüchtlingsschiffes gefunden wurden auswertete. Sie stammt aus der frühen Phase auf dem Kontinent.

    Bulgarien

    Eine Krankenschwester spricht mit einer Patientin im Krankenzimmer. Die Patientin liegt im Bett, während die Schwester sich um sie kümmert.

    Dokument 1.7: WhatsApp-Verlauf (Extrakt)

    Absender: Elena T. (Krankenschwester, Universitätsklinikum Sofia)

    Empfänger: Mila K. (Kollegin, krankgeschrieben)

    Datum: 05. August, Jahr 0

    Zeit: 21:12 Uhr

    Elena:

    Mila, bist du wach? Ich hab versucht dich anzurufen, aber es geht nur die Mailbox ran. Ich hoffe, das Fieber ist gesunken… 🤒

    Du glaubst nicht, was heute in der Klinik los war. Es war der reinste Wahnsinn, ein einziger Albtraum. Ich sitze gerade im Zug nach Hause. Er ist fast komplett leer, obwohl es erst kurz nach neun ist. Es ist so verdammt still in der Stadt, es fühlt sich falsch an.

    Mila, ich glaube, sie haben die Kontrolle völlig verloren. Den ganzen Tag mussten wir impfen, die Schlange stand bis draußen auf die Straße. Die Leute haben geschrien und Panik gehabt wegen der Nachrichten aus der Türkei. 💉

    Zuerst hat mir Dr. Ivanov dieses Breitband-Vakzin gegeben, das wir letzte Woche bekommen haben. Aber nach drei Stunden war die letzte Ampulle weg. Als ich ihn nach Nachschub fragte, hat er mir einen Karton mit Masern-Impfstoff in die Hand gedrückt! 😮 Ich dachte, er hat sich vergriffen, aber er hat mich nur angesehen und gesagt: „Das geht genauso gut, Elena. Spritzen Sie einfach weiter.“

    Es wurde noch schlimmer. Als die Masern-Spritzen leer waren, gab er mir Ampullen mit irgendeinem Blutdrucksenker. Ich hab ihn gefragt: „Doktor, das ist kein Impfstoff, was machen wir hier?“ Und er hat mich nur angeherrscht: „Wer von uns ist hier der Arzt? Tun Sie, was ich sage!“

    Und dann der totale Absturz… Gegen Abend war gar nichts mehr da. Nichts. Er hat mir eiskalt befohlen, die benutzten Ampullen unauffällig mit Kochsalzlösung zu füllen und sie den Leuten zu spritzen! 😱 Ich meinte zu ihm, das sei gegen jede Hygienevorschrift, und was das überhaupt bringen soll?

    Mila, er sah so alt aus. Er meinte nur ganz leise und müde: „Es ist jetzt eh schon egal, Elena. Hauptsache, die Leute sind beruhigt, wenn sie nach Hause gehen. Vielleicht wirkt das Salzwasser ja sogar durch ein Wunder…“ – aber sein Gesicht hat gesagt, dass er selbst nicht mehr an Wunder glaubt.

    Bevor ich aus seinem Büro gegangen bin, hab ich gesehen, wie er sich ein Glas randvoll mit Wodka eingeschenkt hat. Du weißt doch, Ivanov hat in den zehn Jahren, die wir da sind, nie einen Tropfen angerührt! Er war immer der Korrekteste von allen.

    Ich habe Angst. Wenn selbst Ivanov anfängt zu trinken und Kochsalz als Impfung verkauft, dann kommt da etwas auf uns zu, gegen das keine Medizin der Welt hilft.

    Bitte melde dich, wenn du das liest. Ich fühle mich, als wäre ich die Einzige, die noch bei Verstand ist in diesem leeren Zug. 🏚️🚋

    Analyse des Archivars

    Elena T.s Nachricht dokumentiert das „Placebo-Stadium“ der Krise. In Sofia, wie in vielen anderen Metropolen, versuchten die Behörden durch vorgetäuschte medizinische Kompetenz Zeit zu kaufen, während die Lagerhäuser für echte Impfstoffe längst leer waren. Dr. Ivanovs Rückfall in den Alkoholismus war ein Symptom der kollektiven Kapitulation der medizinischen Elite.

  • Ein Bericht aus Vietnam

    Den vermutlich ersten Fall aus Vietnam, den Bericht eines US-amerikanischen Pathologen, eine Aufzeichnung des isländischen Anwerbungsfunkes und die Heimatsuche eines indischen Zerstörers.

    Vietnam

    Bei diesem Dokument handelt es sich um die Telekommunikation zwischen einem französischen Medizinstudenten und seinem Professor. Der Datensatz stammt aus der Frühphase der Pandemie und gilt heute als einer der ersten bestätigten Fälle des Reanimationssyndroms.

    Ein verlassener und verwahrloster Krankenhausraum mit mehreren leeren Betten, die mit dreckigen Laken bedeckt sind. Die Wände sind beschädigt und die Fenster sind schmutzig, mit schwachem Licht, das durch die Ritzen scheint.

    Transkript: Audio-Log 04-06-00-VN

    Datum: 04. Juni, Jahr 0

    Zeit: 21:42 Uhr Ortszeit

    Teilnehmer: * Dr. Marc-André Beaumont (Feldstation Mường Lống)

    Professor Dr. Nguyen Van Thiep (Hanoi Medical University)

    (Rauschen in der Leitung, das Klicken einer instabilen Verbindung)

    Prof. Thiep: Beaumont? Sind Sie das? Ich habe kaum Empfang. Was gibt es so Dringendes, dass Sie mich auf meinem privaten Anschluss stören?

    Dr. Beaumont: Herr Professor, Verzeihung für die späte Stunde. Ich… ich musste Sie anrufen. Die Lage hier in Mường Lống ist… sie ist bizarr. Ich habe die Patienten gesichtet. Es sind etwa ein Dutzend in der ersten Hütte.

    Prof. Thiep: (seufzt hörbar) Ein Dutzend? Also doch ein lokaler Infektionsherd. Haben Sie die Stuhlproben für den Cholera-Schnelltest vorbereitet?

    Dr. Beaumont: Das ist es ja, Monsieur. Ich konnte bisher nur drei Patienten oberflächlich untersuchen. Sie sind unmittelbar nach meiner Ankunft in einen Zustand gefallen, der wie ein tiefes Koma wirkt. Die anderen… nun, ich vermute, sie sind bereits verstorben. Sie liegen völlig reglos da. Aber ich muss mir das morgen bei Tageslicht genauer ansehen, die Lichtverhältnisse hier sind katastrophal.

    Prof. Thiep: Sie „vermuten“, sie seien verstorben? Beaumont, Sie sind im letzten Jahr Ihres Internships. Ein Blick auf die Pupillenreaktion, das Tasten nach dem Karotispuls – das dauert zehn Sekunden. Warum diese vagen Formulierungen?

    Dr. Beaumont: Es ist schwer zu erklären. Die Umgebung deutet massiv auf Cholera hin. Überall ist blutiger Kot, der Geruch ist unerträglich. Aber das klinische Bild der drei Lebenden passt nicht. Sie krampften heftig, wie bei einer Tetanus-Infektion, waren aber völlig weggetreten. Keine Reaktion auf Schmerzreize. Und dann dieser schlagartige Übergang ins Koma… Ich hatte gehofft, Sie hätten vielleicht von einem ähnlichen Neurotoxin gehört, das…

    Prof. Thiep: (fällt ihm ins Wort) Beaumont, hören Sie sich eigentlich selbst zu? Sie faseln von Cholera-Symptomen, Tetanus-Krämpfen und komatösen Zuständen, alles zur gleichen Zeit. Das verstößt gegen jede pathologische Logik. Hat man Ihnen in Paris nicht beigebracht, wie man eine strukturierte Anamnese durchführt?

    Dr. Beaumont: Doch, natürlich, aber die Patienten sind nicht ansprechbar! Ich… ich werde in ein paar Stunden mit den Obduktionen der Verstorbenen beginnen. Ich warte nur noch ab, bis die Totenstarre vollständig eingetreten ist, um einen festen Referenzpunkt für den Todeszeitpunkt zu haben.

    Prof. Thiep: (lacht trocken und schneidend) Sie wollen die Rigor Mortis abwarten? Beaumont, ich beginne mich ernsthaft zu fragen, ob Sie die Zulassung zur Universität durch eine Lotterie gewonnen haben. Die Totenstarre ist ein biochemischer Prozess der ATP-Verarmung, kein verdammter Timer für Ihre Bequemlichkeit! Wissen Sie, was ich glaube? Ich glaube, die Hitze in den Bergen vernebelt Ihnen den Verstand. Sie schildern mir hier medizinischen Unfug.

    Dr. Beaumont: Professor, ich versichere Ihnen, die Temperatur der Körper ist… sie ist instabil. Ich wollte nur Ihren Rat, wie ich bei dieser Kombination von Symptomen…

    Prof. Thiep: Mein Rat? Mein Rat ist: Schlagen Sie Ihre Lehrbücher auf. Kapitel eins: Grundlagen der Diagnostik. Wenn Sie aufhören, Gespenster zu sehen und anfangen, wie ein Arzt zu arbeiten, können Sie mich wieder kontaktieren. Melden Sie sich erst wieder, wenn Sie einen fundierten, medizinisch belastbaren Bericht vorlegen können, der nicht wie das Drehbuch eines schlechten Horrorfilms klingt. Gute Nacht, Beaumont.

    Kurz danach zwang eine Lageänderung den jungen Arzt dazu, seinen Professor per SMS zu informieren, SMS deshalb, weil er keine erneute Kopfwäsche riskieren wollte.

    „Monsieur le Professeur, Update zu Mường Lống: Statusänderung bei den verbliebenen 14 Probanden. Bei 11 Patienten trat um ca. 00:45 Uhr der klinische Tod ein (Atemstillstand, keine kardiale Aktivität). Die drei verbleibenden Patienten befinden sich in einem persistierenden tiefen Koma (GCS 3).

    Seltsames Vorkommnis: Zwei lokale Hilfskräfte sind unangekündigt vom Posten in der Lazaretthütte verschwunden. Ich vermute Erschöpfung oder religiöse Vorbehalte. Werde nun postmortale Untersuchungen an den 11 Verstorbenen einleiten, sobald der improvisierte Sektionsplatz vorbereitet ist. Werde die Körpertemperatur-Kurven dokumentieren, da die Abkühlung unnatürlich langsam verläuft. Melde mich nach dem ersten Schnitt mit harten Fakten. Beaumont.“

    Kurze Zeit später sprang der Arzt dann über seinen Schatten und kontaktierte seinen Professor erneut per Telefon, seine restlichen Patienten waren ebenfalls verschwunden.

    Transkript: Audio-Log 05-06-00-VN

    Datum: 05. Juni, Jahr 0

    Zeit: 03:12 Uhr Ortszeit

    Teilnehmer:

    Dr. Marc-André Beaumont (Mường Lống)

    Prof. Dr. Nguyen Van Thiep (Hanoi)

    (Das Klingeln dauert lange, bevor abgehoben wird. Im Hintergrund ist das Zischen von Regen oder atmosphärischen Störungen zu hören.)

    Prof. Thiep: (Stimme ist heiser und vor Zorn bebend) Beaumont. Wenn dieses Telefonat nicht damit beginnt, dass Sie mir Ihren sofortigen Rücktritt und Ihre Abreise aus Vietnam erklären, werde ich persönlich dafür sorgen, dass Sie nie wieder ein Stethoskop in die Hand nehmen. Wissen Sie, wie spät es ist?

    Dr. Beaumont: (Stimme zittert, man hört schnelles Atmen) Professor, bitte… hören Sie mir zu. Es ist alles anders. Ich habe Ihnen die SMS geschickt, dass Patienten gestorben sind, aber jetzt… sie sind weg.

    Prof. Thiep: (schreit fast) Was heißt „weg“? Beaumont, ein Leichnam hat keine Beine! Haben Sie die Toten nicht gesichert? Ich sagte Ihnen, Sie sollen klinisch arbeiten, nicht wie ein Totengräber im Mittelalter!

    Dr. Beaumont: Ich habe sie in der Hütte gelassen, um den Obduktionsraum vorzubereiten! Als ich zurückkam, waren elf der Patienten verschwunden. Und nicht nur sie – auch zwei Dorfbewohner, die dort reinigen sollten. Und jetzt, vor fünf Minuten… auch die letzten drei. Die Hütte ist leer, Monsieur. Komplett leer.

    Prof. Thiep: (eine lange Pause, dann ein hämisches Lachen) Oh, ich verstehe. Sie haben sich in den Bergen von ein paar Hmong-Bauern überrumpeln lassen. Wahrscheinlich haben sie ihre Toten gestohlen, um sie nach ihren absurden Riten zu begraben, bevor die „Regierung“ sie aufschneidet. Und Sie, Beaumont, waren zu inkompetent, um die Tür zu bewachen.

    Dr. Beaumont: Nein! Der Ortsvorsteher, Vàng A Phù, er schwört, dass niemand das Dorf verlassen hat. Ich habe gefragt, ob Fremde hier waren, Schmuggler, irgendwer. Nichts. Seit Wochen nichts. Professor, wie können vierzehn kranke Menschen und zwei gesunde Männer spurlos verschwinden? Ohne Geräusch? Ohne dass sie jemand auf dem einzigen Pfad gesehen hat?

    Prof. Thiep: Beaumont, hören Sie auf, mich mit Ihren Schauergeschichten zu belästigen! Was wollen Sie von mir? Dass ich Geisterjäger schicke? Sie haben versagt. Sie haben die Kontrolle über Ihre Patienten und über Ihre Beweismittel verloren. Sie schildern mir ein Szenario, das medizinisch unmöglich ist. Menschen im tiefen Koma stehen nicht auf und verschwinden im Dschungel.

    Dr. Beaumont: Ich sage ja nicht, dass sie gegangen sind! Ich sage, sie sind weg! Die Betten sind leer, Monsieur. Keine Schleifspuren, kein Kampf. Nur dieser verdammte Geruch nach Cholera und… und etwas Süßlichem. Ich habe Angst, Professor. Hier stimmt etwas nicht mit der Biologie.

    Prof. Thiep: (eiskalt) Die einzige Biologie, mit der hier etwas nicht stimmt, ist Ihr neuronales System. Sie haben Halluzinationen oder Sie sind schlichtweg ein Feigling, der eine Ausrede sucht, weil er die Toten verloren hat. Ich werde morgen früh die Distanzverwaltung kontaktieren. Wir werden jemanden schicken, der Sie ablöst – und der wahrscheinlich die Leichen in einem nahegelegenen Waldstück findet, wo sie von Ihren „unschuldigen“ Dorfbewohnern verscharrt wurden.

    Dr. Beaumont: Professor, schicken Sie keine Einzelpersonen. Schicken Sie das Militär. Bitte.

    Prof. Thiep: (lacht trocken) Das Militär? Wegen ein paar verschwundener Leichen in einem Bergdorf? Beaumont, Sie sind erledigt. Gehen Sie schlafen. Wenn ich Sie morgen noch einmal höre, bevor mein Kaffee auf dem Tisch steht, werde ich dafür sorgen, dass Ihre Karriere endet, bevor der erste Obduktionsschnitt gesetzt ist. Legen Sie jetzt auf.

    USA

    Ein nachdenklicher Arzt in einem weißen Kittel steht neben einem leblosen Körper auf einem Untersuchungstisch, umgeben von medizinischen Geräten und Instrumenten.

    Datum: 12. Oktober, Jahr 0 Pathologe: Dr. Steven J. Miller Leiche: Weiblich, ca. 20 Jahre, Identität unbekannt (Jane Doe #14)

    1. Hergang (Laut Polizeibericht)

    Die Verstorbene wurde von Beamten des PPD gestellt, nachdem sie mehrere Passanten in einem Park angegriffen hatte. Laut Aussage der Beamten zeigte das Subjekt eine „unnatürliche Schmerzresistenz“. Es wurden insgesamt 15 Schüsse abgegeben. Das Subjekt setzte den Angriff trotz schwerster Treffer in Torso und Extremitäten fort. Erst ein gezielter Schuss in die kraniale Region (Kopfschuss) stoppte die Vorwärtsbewegung unmittelbar.

    2. Äußere Untersuchung

    Der Körper weist 14 Eintrittswunden durch Projektile vom Kaliber 9mm auf, verteilt auf Brustkorb, Abdomen und beide Beine. Besonders auffällig ist die massive Traumatisierung des linken Fußes: Es finden sich multiple, tiefe Bisswunden menschlichen Ursprungs. Die Achillessehne ist vollständig durchtrennt, mehrere Mittelfußknochen sind zertrümmert.

    Anomalie I: Es ist medizinisch absolut unerklärlich, wie das Subjekt mit diesen Verletzungen – insbesondere der zerstörten Sehnenstruktur am Fuß – eine rennende oder auch nur aufrechte Bewegung hätte ausführen können.

    3. Postmortaler Zustand (Die zentrale Diskrepanz)

    Während der Untersuchung stieß ich auf einen Befund, der mich an meiner eigenen Kompetenz zweifeln lässt:

    Livores (Totenflecken): Es finden sich ausgeprägte, lagefixierte Totenflecken am Rücken und an den Rückseiten der Oberschenkel.

    Rigor Mortis (Totenstarre): Der Kiefer und die Nackenmuskulatur zeigen eine Starre, die typischerweise erst 24 bis 48 Stunden nach dem Tod eintritt.

    Gewebszustand: Die Körpertemperatur liegt bei 22 °C (Umgebungstemperatur). Es gibt beginnende Anzeichen von Autolyse in den inneren Organen.

    Anomalie II: Nach allen Regeln der forensischen Pathologie war diese Frau bereits seit mindestens zwei Tagen tot, als die Polizisten auf sie schossen. Es gab jedoch keinen nennenswerten Blutaustritt aus den 14 Körpertreffern – was darauf hindeutet, dass das Herz zum Zeitpunkt der Schussabgabe nicht mehr schlug.

    4. Interner Befund

    Bei der Eröffnung des Schädels zeigte sich das Gehirn in einem Zustand, den ich so noch nie gesehen habe. Die graue Substanz ist von einer bläulichen, fast kristallinen Schicht überzogen. Trotz des massiven Projektiltraumas (Einschuss parietal rechts) wirkt das verbliebene Nervengewebe nicht wie bei einer Verwesung zerflossen, sondern seltsam „strukturiert“, als wäre es von feinen, metallisch glänzenden Fasern durchzogen.

    Zusammenfassung des Pathologen

    Ich bin ratlos. Wenn ich diesen Bericht so unterschreibe, behaupte ich effektiv, dass eine Leiche im fortgeschrittenen Stadium der Verwesung über eine Distanz von 50 Metern auf Polizeibeamte zugestürmt ist, während sie Schüsse ignorierte, die jeden lebenden Menschen sofort hätten kollabieren lassen.

    Die Bisswunden am Fuß weisen Spuren von Speichel auf, der eine mir unbekannte, zähflüssige Konsistenz hat. Ich habe Proben an das CDC geschickt, aber bisher keine Antwort erhalten. In der Leichenhalle herrscht heute eine seltsame Unruhe; zwei Assistenten haben sich krankgemeldet, weil sie über Übelkeit und „Rauschen in den Ohren“ klagen.

    Ich werde die Leiche vorerst in Kühlkammer 4 belassen, obwohl ich das unbestimmte Gefühl habe, dass die Riemen am Seziertisch nicht fest genug angezogen waren.

    Gezeichnet, Dr. Steven J. Miller Forensischer Pathologe

    Nur wenige Stunden später wurde die Gesundheitseinrichtung, in der die Obduktion stattfand von den Behörden weiträumig abgeriegelt.

    Island

    Archiv-Nr.: ISL-07-JUL-002 Typ: Funktranskript (verschlüsseltes VHF/Militärfrequenz) Datum: 12. Juli, Jahr 0 Beteiligte: Isländisches Krisenzentrum (Reykjavík) / Rufzeichen „VALKYRIE“; US Air Force Staffel „RAPTOR“ (6x F-15 Eagle)

    (Automatisierte Endlosschleife – Isländische Regierung – Deutsch/Englisch/Russisch/Französisch): „…Dies ist eine offizielle Bekanntmachung der Republik Island. An alle versprengten militärischen Einheiten auf See, zu Lande oder in der Luft: Island bietet Schutz. Jeder Soldat, jede Besatzung, die sich unter das Kommando der isländischen Verteidigungskräfte stellt, erhält mit sofortiger Wirkung die isländische Staatsbürgerschaft, volle Immunität gegenüber Befehlen ihrer Heimatländer sowie lebenslanges Bleiberecht und Versorgung für sich und ihre engsten Angehörigen. Island wird zur Festung der Lebenden. Schützen Sie uns, und wir schützen Sie. Antworten Sie auf dieser Frequenz… [Wiederholung auf Russisch]…“

    Raptor Leader: „Valkyrie, hier Raptor 01. Hören Sie mich? Ich wiederhole: Hier Raptor Leader, US Air Force, Staffel von sechs F-15. Wir befinden uns 300 Meilen südwestlich von Keflavík.“

    Valkyrie: „Raptor 01, hier Valkyrie. Wir hören Sie laut und deutlich. Bestätigen Sie Ihre Absicht. Haben Sie unser Angebot gehört?“

    Raptor Leader: „Wir haben es gehört… aber wir sind auf Rückkehrbefehl. Eigentlich. Wir sollten uns mit einem Tanker bei Point Alpha treffen, aber der Vogel ist nicht aufgetaucht. Wir fliegen auf den letzten Reserven. Wir haben den Kontakt zum Strategic Command verloren. Bevor wir über irgendwelche… Staatsbürgerschaften reden… Valkyrie, verdammt, sagen Sie uns, was zu Hause los ist. Wir kriegen keine Verbindung nach Ramstein oder direkt in die Staaten.“

    Valkyrie: „Raptor 01… die Informationen sind fragmentarisch, aber konsistent. Washington D.C., New York und Chicago wurden als ‚verloren‘ markiert. Das Kommunikationsnetz an der Ostküste ist zu 80 % ausgefallen. Die Ausbreitungsrate der furiens-Variante in den Ballungsräumen hat jede staatliche Reaktion überholt.“

    Raptor 02 (über Funk hörbar): „Das kann nicht sein… was ist mit Ohio? Hat jemand was aus Columbus gehört?“

    Valkyrie: „Raptor 02, es gibt keine gesicherten Daten mehr aus dem Mittleren Westen. Aber ich muss Ihnen etwas mitteilen, das wir von einem anderen… neuen Verbündeten haben. Wir haben hier den Kommandanten eines russischen Akula-Klasse U-Boots, das vor zwei Tagen bei uns festgemacht hat. Laut seinen abgefangenen Satellitendaten haben die USA vor drei Stunden das Protokoll ‚Broken Arrow‘ über dem eigenen Territorium ausgeweitet. Er behauptet, es gab nukleare Detonationen über zwei eigenen Großstädten, um die Ausbreitung zu stoppen.“

    (Stille im Funkverkehr für 10 Sekunden)

    Raptor Leader: „Atomwaffen? Gegen das eigene Volk? Sind Sie sicher, Valkyrie? Wenn das eine verdammte russische Ente ist…“

    Valkyrie: „Wir können es nicht unabhängig bestätigen, Raptor Leader. Aber der Kontakt zu den entsprechenden Kommandostellen ist zeitgleich abgerissen. Wir haben keinen Grund, dem Russen nicht zu glauben – er hat seine Raketen uns übergeben. Wir bieten Ihnen eine Zukunft. Die USA, wie Sie sie kannten, existieren diesen Nachmittag vielleicht nicht mehr. Island schon. Wir brauchen Ihre Augen am Himmel.“

    Raptor Leader: „Valkyrie… halten Sie die Leitung offen. Wir müssen uns kurz intern beraten. Ende.“

    (Pause von 45 Sekunden – Rauschen der Atmosphäre)

    Raptor Leader: „Valkyrie, hier Raptor 01. Ich spreche für alle sechs Piloten. Wir haben keine Heimat mehr, in die wir zurückkehren können, und keinen Sprit für den Ozean. Wir nehmen das Angebot an. Wir unterstellen uns dem isländischen Kommando. Geben Sie uns Vektoren für die Landung. Wo wollen Sie uns haben?“

    Valkyrie: „Verstanden, Raptor Leader. Willkommen in Island. Drehen Sie auf Kurs 020. Landen Sie auf dem Flughafen Keflavík. Wir räumen die Piste für Sie frei. Bodenteams für Betankung und Quarantäne-Check stehen bereit. Und Raptor… danke, dass Sie sich für das Leben entschieden haben.“

    Raptor Leader: „Wir landen nur, Valkyrie. Ob wir noch leben, entscheiden wir, wenn wir Boden unter den Füßen haben. Raptor-Staffel Ende.“

    Indischer Zerstörer INS Chennai

    Historisches schwarz-weiß Bild eines Kriegsschiffs, das durch unruhige Gewässer fährt, umgeben von dramatischen Wolken.

    Dieses Dokument ist ein zentrales Zeugnis für die Entstehung des „Insel-Empires“. Es zeigt den Moment, in dem aus einer nationalen Katastrophe eine neue, übernationale Allianz unter der Flagge von New Britain wurde.

    Archiv-Nr.: IND-DEST Quelle: Geborgenes Digital-Logbuch der INS Chennai (Zerstörer der Kolkata-Klasse) Zeitraum: Jahr 0

    Position: Golf von Aden Status: Funkstille (Einsatzstufe Blau). Auftrag: Anti-Piraterie-Patrouille. Seit 72 Stunden kein Kontakt zum Flottenkommando in Mumbai. Befehlslage bleibt „Aufrechterhaltung der Präsenz“. Die Männer sind unruhig. Die Kurzwellenempfänger fangen nur atmosphärisches Rauschen und wirre Notrufe in Swahili auf.

    – Erster Kontakt Haben um 04:00 Uhr ein überladenes Boot (Typ: Dhow) aufgebracht. Verdacht auf Piraterie. Nach dem Boarding bot sich ein Bild des Grauens. Keine Waffen. 80 Zivilisten, viele schwer traumatisiert. Ein ehemaliger UN-Mitarbeiter unter ihnen schrie uns an, wir sollten sie nicht anfassen. Er sprach von der „Rückkehr der Toten“ in Mogadischu. Wir hielten es für eine Massenpsychose – bis einer der Verletzten in der Arrestzelle starb und zehn Minuten später versuchte, dem Wachhabenden die Kehle durchzureißen. Wir mussten ihn eliminieren. Schuss in den Kopf war das einzige, was half. Kursänderung: Süd-Südost. Wir müssen nach Hause.

    Vor der Küste Südafrikas Die Küstenlinie ist nachts ein einziges Flammenmeer. Haben den Bordhelikopter (HAL Dhruv) zur Aufklärung Richtung Durban geschickt. Bericht der Piloten: „Keine Anzeichen von staatlicher Ordnung. Die Autobahnen sind mit Autowracks verstopft. Wir sahen Tausende… Kreaturen. Sie bewegen sich wie eine Lawine durch die Vorstädte. Keine Gegenwehr durch Polizei oder Militär erkennbar.“ Der Kapitän hat entschieden: Wir halten uns fern vom Land. Wir versuchen weiterhin Indien zu erreichen.

    Der letzte Funkspruch aus Indien Kontakt zu Admiral V. Singh (Vizechef des Marinestabs) über eine gesicherte Notfrequenz hergestellt. Transkript: „Chennai, hören Sie gut zu. Es gibt kein ‚Zuhause‘ mehr. Mumbai ist gefallen, Delhi ist eine Todeszone. Die var. indolens hat uns von innen heraus zerfressen. Ich entbinde Sie von Ihrem Eid gegenüber der Republik Indien. Retten Sie Ihre Besatzung. Schließen Sie sich an, wem Sie wollen, oder suchen Sie sich eine einsame Insel. Dies ist mein letzter Befehl. Jai Hind.“

    Die Agonie Europas Wir haben das Kap der Guten Hoffnung umrundet und den Atlantik nach Norden gequert. Spanien: Häfen von Algeciras und Cádiz stehen in Flammen. Keine Antwort auf Funksprüche, nur automatisierte Warnungen vor „infizierten Zonen“. Frankreich (Brest Radio): „Fahren Sie weiter, indisches Schiff. Wir können unsere eigenen Bürger nicht mehr schützen. Marseille ist verloren, Paris schweigt. Wir haben keine Vorräte für Sie.“ Deutschland: Ein Funker aus Wilhelmshaven antwortet verzweifelt. Sie halten noch einen Pier, aber die Verteidigungslinien in der Stadt brechen gerade zusammen.

    Vor dem Ärmelkanal Kontakt mit der britischen Admiralität (HMS Queen Elizabeth): „Hier spricht die Royal Navy. An den indischen Zerstörer: Laufen Sie keinen britischen Hafen an. London ist evakuiert. Die Insel steht kurz vor dem Fall.

    Die Entscheidung Kapitän und Stabskonferenz in der Offiziersmesse. Wir haben noch Treibstoff für 4.000 Meilen und 200 Flüchtlinge an Bord. Beschluss: Wir bitten um Eingliederung in den britischen Verband. Funkspruch an HMS Queen Elizabeth: „Hier INS Chennai. Wir sind ein voll einsatzfähiger Zerstörer der Kolkata-Klasse. Wir haben indische Soldaten und Zivilisten an Bord. Wir weigern uns, dieses Schiff aufzugeben. Wir bieten unsere Kanonen und unsere Treue dem Verband an, Erlauben Sie uns, die Flanke Ihres Thronfolgers zu decken?“

    Antwort der Briten „INS Chennai, hier Admiralität. Wir akzeptieren Ihr Angebot. Nehmen Sie Position in der äußeren Verteidigungsperipherie des Trägerverbands ein. Willkommen in der Flotte. Wir setzen Kurs auf den Südpazifik. Unser Ziel ist Pitcairn.“

    Ankunft in New Britain Wir haben den Anker vor Adamstown geworfen. Die INS Chennai wird nun fest mit dem zivilen Frachtschiff-Verbund verkoppelt, um als schwimmende Verteidigungsplattform für die neue Hauptstadt zu dienen.