Blogbeitrag 280326
Schönen guten Tag werter Leser, werte Leserin. Ich freue mich, dass Sie auch heute wieder in meinem Archiv vorbeisehen. Heute habe ich auf meinem Schreibtisch hauptsächlich Zeitungsberichte abgearbeitet. Wie gewohnt schließe ich auch heute wieder mit einem Einzelschicksal. Ich habe heute aber etwas ganz besonderes im Angebot. Eines unserer Expeditionsteams stieß bei einer Mission in Südamerika auf die Aufzeichnung des Funkverkehrs zwischen einem australischen Seeaufklärer und seiner Basis. Es handelt sich hier um eines der letzten Dokumente aus Ozeanien, seitdem Funkstille herrscht. Ich möchte mit einem Dokument aus Finnland beginnen. Hier handelt es sich um einen Medienbericht, der den Unfall eines russischen Reisebusses zum Inhalt hat. Das Dokument stammt aus der Frühphase der Pandemie auf dem europäischen Kontinent.
Finnland

Rovaniemen Sanomat (Erscheinungsdatum unbekannt)
Von Juhani Virtanen
Albtraum auf der E75: Tote Einsatzkräfte nach Busunglück – Großfahndung läuft
Rovaniemi – Was als routinemäßiger Rettungseinsatz auf einem einsamen Teilstück der Staatsstraße 4 begann, endete in der Nacht zum Mittwoch in einer Tragödie ohne Präzedenzfall. Nach einem Unfall eines russischen Reisebusses kam es zu brutalen Auseinandersetzungen. Mehrere Rettungskräfte sind tot, von den Passagieren fehlt jede Spur. Die finnische Luftwaffe unterstützt die Suche.
In den frühen Morgenstunden des 28. Augusts, gegen 03:45 Uhr, ging bei der Notrufzentrale in Rovaniemi die Meldung über einen von der Fahrbahn abgekommenen Reisebus ein. Der Bus, der laut Kennzeichen und ersten Ermittlungen aus der russischen Föderation stammt, war auf einem abgelegenen Waldabschnitt ca. 40 Kilometer nordöstlich des Stadtgebietes verunglückt.
Unfassbare Szenen am Unfallort
Was sich nach Eintreffen der ersten Einheiten der Polizei und des Rettungsdienstes Lappland abspielte, ist derzeit noch Gegenstand chaotischer Berichte. Nach Angaben eines schwer verletzten Sanitäters, der sich in den frühen Morgenstunden zum Zentralkrankenhaus Lappland (LKS) durchschlagen konnte, wurden die helfenden Kräfte unmittelbar nach dem Aussteigen attackiert.
„Es gab keine Hilferufe, nur sofortige, koordinierte Gewalt!“, wird ein Polizeisprecher zitiert, der sichtlich unter Schock stand. Die Situation vor Ort wird als „Massaker“ beschrieben. Die Behörden bestätigten am Vormittag den Tod von mindestens vier Einsatzkräften. Drei weitere Rettungssanitäter und zwei Polizeibeamte werden derzeit noch vermisst. Sechs weitere liegen mit schwersten, teils bizarren Biss- und Kratzwunden auf der Intensivstation. Der Bereich um das Krankenhaus wurde weiträumig abgesperrt.
Passagiere spurlos verschwunden
Völlig unklar ist der Verbleib der Businsassen. Als Verstärkung am Unfallort eintraf, war das Wrack leer. Spuren im Schnee deuten darauf hin, dass eine Gruppe von ca. 20 bis 30 Personen in die angrenzenden, dichten Nadelwälder geflüchtet ist. Es ist unklar, warum die Verunfallten trotz der eisigen Temperaturen die Flucht ergriffen haben und warum sie die Helfer mit tödlicher Gewalt angriffen.
Luftwaffe im Einsatz
Seit Sonnenaufgang ist der Luftraum über dem Unfallgebiet gesperrt. Hubschrauber der finnischen Heeresflieger und der Grenzschutz sind im Einsatz und suchen mit Wärmebildkameras das unwegsame Gelände ab. Auch eine Einheit der Jägerbrigade aus Sodankylä wurde in Alarmbereitschaft versetzt.
Die Polizei warnt die Bevölkerung im Großraum Rovaniemi dringend davor, Anhalter mitzunehmen oder sich unbekannten Personen im Waldgebiet zu nähern. „Schließen Sie ihre Türen und melden Sie jede verdächtige Beobachtung sofort über den Notruf 112“, so die offizielle Warnung.
Ob es sich um eine politische Tat, organisierten Terrorismus oder einen Ausbruch von Massenpanik handelt, ist zur Stunde völlig offen.
Wir berichten weiter, sobald neue Informationen vorliegen.
Begeben wir uns nun in den Osten, in die Volksrepublik China. Es handelt sich hier um einen Zeitungsbericht in einer schwedischen Tageszeitung, dem zum Leidwesen der europäischen Völker kaum Bedeutung zugemessen wurde. China war in jenen Tag weit weg und in Schweden war die Seuche noch eine abstrakte Vorstellung.
Peking (Volksrepublik China)

„Peking im Ausnahmezustand: Militär riegelt Stadtviertel wegen mysteriöser Seuche ab.“
Peking – In der chinesischen Hauptstadt spielen sich seit den frühen Morgenstunden dramatische Szenen ab. Einheiten der Volksbefreiungsarmee haben in einer überraschenden Großoffensive mehrere Straßenzüge im dicht besiedelten Bezirk Chaoyang hermetisch abgeriegelt. Hintergrund ist der Ausbruch einer neuartigen aggressiven Infektionskrankheit.
Augenzeugen berichten, dass Panzerfahrzeuge und mobile Barrikaden wichtige Verkehrsknotenpunkte blockieren. Schwer bewaffnete Soldaten in ABC-Schutzanzügen sichern diese Kontrollpunkte. „Niemand darf rein, absolut niemand darf raus“, berichtete ein Anwohner telefonisch, bevor die Mobilfunknetze in den betroffenen Sektoren offenbar lokal gedrosselt wurden.
Angst vor „Zombie-Symptomen“. Offizielle Stellen sprechen verhalten von einer „akuten biologischen Sicherheitslage“. In den chinesischen sozialen Medien, die von der Zensur derzeit kaum noch kontrolliert werden können, kursieren jedoch verstörende Bilder. Sie zeigen Infizierte, die die Orientierung verloren haben, keinerlei Schmerzempfinden zeigen und Passanten mit äußerster Brutalität attackieren. Aufgrund des rasenden Verlaufs und des Beißverhaltens ist in der Bevölkerung bereits panisch von einer „Zombie-Krankheit“ die Rede.
Schießbefehl an den Grenzen
Die Regierung hat ein Notstandsdekret für die betroffenen Zonen erlassen. Laut unbestätigten Berichten gilt an den Absperrungen ein strikter Schießbefehl gegen jede Person, die versucht, die Quarantänezone unkontrolliert zu verlassen. Das Militär begründet die Härte der Maßnahmen mit der extremen Ansteckungsgefahr des Erregers, der sich über Körperflüssigkeiten in Sekundenschnelle überträgt.
Internationale Beobachter zeigen sich besorgt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat eine Dringlichkeitssitzung einberufen und fordert von Peking sofortige Transparenz über die Natur des Erregers. Vorerst jedoch bleibt Peking eine Stadt in Angst: Die Straßen außerhalb der Sperrzonen sind wie leergefegt, während hinter den Barrikaden der Kampf gegen die Ausbreitung tobt.
Kommen wir nun zu dem Dokument aus Ozeanien, um genauer zu sein aus Australien. Es handelt sich um den Funkverkehr zwischen einem Fernaufklärer vom Typ Boeing P-8A Poseidon und seiner Einsatzbasis. Es stammt vom 12. Juli 0
Australien

Archiv-Transkript: Funkverkehr „Albatross 05“
Datum: 12. Juli
Zeit: 04:12 – 08:22
Basis: Trident Control (RAAF Base Learmonth)
Sektor: Indischer Ozean
04:12 UTC / Albatross 05: Trident Control, hier Albatross 05. Erreichen Suchgebiet Delta-Niner. Beginnen mit Oberflächenscan. Sichtweite exzellent, Seezustand 2. Erbitte Bestätigung der Frequenz für zivile Notrufabfrage.
04:15 UTC / Trident Control: Albatross 05, hier Trident. Bestätigt. Nutzen sie Standardmarinetaktik auf Kanal 16. Melden sie jegliche Abweichungen von den Kursen der kommerziellen Schiffahrtslinien.
06:30 UTC / Albatross 05: Trident, hier Albatross 05. Wir haben hier eine massive Lageänderung. Erfassen auf dem Radar und visuell eine hohe Konzentration von Fahrzeugen. Position 18° S, 108° E. Es ist … unübersichtlich. Wir zählen aktuell 42 Kontakte innerhalb eines 10 – Meilen Radius. Fischerboote, private Yachten, drei kleine Küstenfrachter. Sie treiben alle. Keine Fahrt im Schiff, keine korrekten Positionslichter.
06:32 UTC / Trident Control: Albatross 05, wiederholen Sie. Treiben diese Schiffe? Versuchen Sie Kontaktaufnahme.
06:45 UTC / Albatross 05: Trident, wir rufen auf allen Kanälen. Keine Antwort. Weder digital noch per Funk. Wir gehen jetzt tiefer für visuelle Identifikation. … Trident, wir sehen zahlreiche Rettungsboote im Wasser. Sie scheinen leer zu sein. Markieren Position 01 bis 15. Korrektur: Wir haben zwei größere Kontakte. Ein Öltanker, Typserie Aframax, liegt quer zur Dünung. Und ein kleineres Militärschiff, Korvetten-Größe, keine Flagge zu erkennen. Die Korvette brennt achtern, starke Rauchentwicklung, keine Löschversuche erkennbar.
07:15 UTC / Albatross 05: Trident, Lagebericht nach Tiefflug. Es ist gespenstisch. Wir schätzen die Gesamtzahl der herrenlosen Fahrzeuge im Sektor auf gut 50. Es ist ein Friedhof hierdraußen. Wir sehen Bewegung an Deck des Tankers, aber niemand reagiert auf unsere Signale oder den Vorbeiflug. Die Schiffe scheinen einfach aufgegeben worden zu sein, aber die Rettungsmittel hängen teilweise noch in den Davits, während andere leer im Wasser treiben.
08:00 UTC / Albatross 05: Trident Control, Albatross 05. Wir kreisen seit 90 Minuten. Keine Veränderung. Wir brauchen eine Entscheidung. Sollen wir das Gebiet weiter sichern und versuchen, ein Lebenszeichen zu provozieren? Oder schickt die Navy Einheiten raus, die wir einweisen sollen? Wenn wir hier stationär bleiben, sinkt unser Fuel-Status unter Reserve. Wir benötigen einen Tanker für In-Flight-Refueling, wenn wir die Überwachung aufrechterhalten sollen.
08:15 UTC / Trident Control: Albatross 05, hier Trident. Höchste Geheimhaltungsstufe. Drehen Sie sofort ab. Nehmen Sie Kurs auf Learmonth. Funkstille ab jetzt. Keine Einweisung von Schiffen. Die Navy hat Befehl den Sektor zu meiden.
08:22 UTC / Albatross 05: Trident … verstanden. Drehen ab. Aber Trident, wer kümmert sich um die Leute da unten? Da treibt ein brennendes Schiff auf einen Tanker zu. Das gibt eine Katastrophe.
08:23 UTC / Albatross 05: Trident Control: Albatross 05. Kurs Learmonth. Ende.
Beim nächsten Dokument handelt es sich um die Abschrift eines Audiotranskripts. Es stammt aus der Österreich, unmittelbar nach dem Zeitpunkt, an dem sich die österreichische Gesundheitsministerin Dr. Elfriede Warm mit der Wahrheit aus der allgemeinen Deckung wagte. Kurz nach diesem Offenbarungseid ging eine Meldung des Österreichischen Zivilschutzverbandes auf Sendung.
Österreich

Österreichischer Zivilschutzverband: Notfall-Richtlinie zur Lage „Pathogen X“
Status: Akut (Stufe Rot) Gültigkeit: Ab sofort, bundesweit
Angesichts der aktuellen gesundheitlichen Lage und des drohenden Zusammenbruchs der kritischen Infrastruktur werden alle Bürgerinnen und Bürger aufgefordert, die folgenden Schutzmaßnahmen zur Aufrechterhaltung der persönlichen Sicherheit strikt zu befolgen.
- Verbarrikadierung und häusliche Isolation
- Rückzug: Suchen Sie umgehend ihre Wohnung oder ihr Haus auf. Verlassen Sie dieses nicht mehr.
- Sicherung: Verschließen Sie alle Zugangspunkte (Türen, Fenster Garangentore usw.)
- Verstärken Sie Glaseingänge nach Möglichkeit von innen (z.B. durch schwere Möbel)
- Lärmvermeidung: Der Erreger löst bei Infizierten eine gesteigerte Sensibilität für akustische Reize aus. Halten Sie die Lautstärke von Radio- und TV-Geräten auf einem Minimum.
- Umgang mit Infektionsverdacht
- Distanz: Halten Si zu jeder Person – auch zu Familienmitgliedern mit leichten Krankheitssymptomen – eine Distanz von mindestens 5 Metern.
- Schutzkleidung: Sollte ein Kontakt unvermeidbar sein, tragen Sie dicke, bissfeste Kleidung (Leder, schwere Arbeitskleidung) und einen Gesichtsschutz.
- Meldewesen: Rufen Sie NICHT den Notruf 144 oder 133 für medizinische Hilfe bei Infizierten an. Die Kapazitäten sind erschöpft. Isolieren Sie symptomatische Personen in einem separaten, absperrbaren Raum.
- Versorgung und Ressourcen
- Wasservorrat: Füllen Sie sofort alle verfügbaren Gefäße (Badewannen, Kübel, Flaschen) mit Leitungswasser, solange der Druck stabil ist.
- Energie. Rechnen Sie mit unangekündigten Netzabschaltungen. Halten Sie Batterieradios, Taschenlampen und Gaskocher bereit.
- Lebensmittel: Rationieren Sie ihre Vorräte. Ein Erwachsener kann im Notfall mehrere Tage mit minimaler Kalorienzufuhr überstehen.
- Verteidigung und Sicherheit
- Zutrittsverbot: Gewähren Sie unter keinen Umständen Fremden Zutritt zu ihrem Schutzraum, auch wenn diese verletzt erscheinen oder scheinbar Hilfe brauchen.
- Bewaffnung: Halten Sie Werkzeuge zur Selbstverteidigung griffbereit (z.B. Äxte, Brechstangen usw.). Zielen Sie bei einem unmittelbaren Angriff auf die Mobilität oder den Kopf des Angreifers.
- Informationskanäle
- Achten Sie auf die Signale der Zivilschutzsirenen:
- Warnung (3 min Dauerton): unmittelbare Gefahr, Radio einschalten.
- Alarm (1 min auf- und abschwellender Ton): Absolute Deckung suchen, Fenster meiden.
Nutzen Sie ausschließlich den ORF (Radio/TV) für offizielle Durchsagen der Bundesregierung.
Geben Sie diese Nachricht weiter – Vermeiden Sie aber den Aufenthalt im Freien.
Der Zivilschutzverband – Für ihre Sicherheit
Der nächste Beitrag führt uns nach Russland, um genauer zu sein nach Moskau in den Gorki-Park. Ein Kollege aus Sibirien sandte mit dankenswerterweise Kopien aus dem staatlichen russischen Archiv (auch hier beginnt mit der Archivierung und Aufarbeitung des Jahres 0). Bei der Erstsichtung des doch recht umfangreichen Materials stieß ich auf einen Pressebericht vom 09. Juli 0, also aus der Anfangsphase der Pandemie.
Russland

Archiv-Reproduktion: Moskowski Komsomolez (MK)
Datum: 09. Juli 0
Ressort: Blaulicht / Hauptstadt Chronik
Ort: Moskau, Gorki-Park
Blutbad im Gorki-Park: Polizei erschießt „Zombie-Junky“ nach bestialischer Attacke
Moskau – Szenen wie aus einem drittklassigen Horrorfilm spielten sich gestern Nachmittag im beliebten Gorki-Park ab. Vor den Augen spielender Kinder und fassungsloser Spaziergänger attackierte ein offensichtlich unter schwerem Drogeneinfluss stehender Obdachloser wahllos Passanten. Das Ende des Amoklaufs war erst durch einen gezielten Kopfschuss der Miliz möglich.
Gegen 16:15 meldeten Zeugen einen verwahrlosten Mann in zerissener Kleidung, der sich in der Nähe des zentralen Brunnens aufhielt. Augenzeugen berichten von einem „unmenschlichen Knurren“ und einer unnatürlich steifen Gangart des Angreifers. Ohne Vorwarnung stürzte sich das Individuum auf eine Gruppe Jugendlicher und biss einem 17-Jährigen Lehrling ein Stück Fleisch aus der Schulter.
„Er wirkte wie tot und doch voller Wut“
„Wir dachten erst, es sei ein schlechter Scherz oder eine Performance“, berichtet Marina S. (34), die mit ihrer Tochter vor Ort war. „Aber als er anfing, die Leute zu beißen, brach Panik aus. Er reagierte auf keine Rufe, er starrte einfach durch uns hindurch.“
Zwei herbeieilende Beamte der Parkpolizei versuchten zunächst, den Mann mit Schlagstöcken zu bändigen. Doch der Angreifer zeigte keinerlei Schmerzreaktion. Selbst als er schließlich eine 68-jährige Rentnerin zu Boden riss und sich regelrecht in ihrem Oberarm verbiss, ließ er nicht locker.
Drogen-Rausch macht Angreifer „unbesiegbar“
Nach mehreren Warnschüssen in die Luft und zwei Treffer in den Torso des Angreifers setzte dieser seine Attacke unbeirrt fort. „Es war unfassbar“, so ein Polizeisprecher heute Morgen. „Der Mann hatte bereits zwei Einschläge im Brustbereich, aber er kämpfte weiter, als wäre nichts geschehen. Erst ein Schuss aus nächster Nähe in den Schädel konnte den Rasenden stoppen.“
Das Innenministerium vermutet hinter dem Vorfall den Konsum einer neuen, hochgefährlichen Designerdroge, die vermutlich aus Südostasien eingeschmuggelt wurde. Experten warnen, dass diese Substanzen das Schmerzempfinden komplett ausschalten und den Konsumenten in einen Zustand extremer animalischer Aggression versetzen.
Die Rentnerin sowie drei weitere Verletzte wurden mit schweren Bisswunden in die Sklifossowski-Klinik eingeliefert. Der Leichnam des Obdachlosen wurde zur toxikologischen Untersuchung in die Gerichtsmedizin überführt. Die Polizei hat die Patrouillen in Moskauer Grünanalgen bis auf Weiteres verdoppelt.
Anmerkung des Archivars:
Dieser Bericht ist ein klassisches Beispiel für die „Drogen-Hypothese“. Überall auf der Welt – ob in Moskau, Miami oder Berlin – griffen die Behörden zu dieser Erklärung, um die Fähigkeit des menschlichen Körpers zu erklären, nach tödlichen Treffern weiterzukämpfen. Was als toxikologisches Problem abgetan wurde, war in Wahrheit der erste dokumentierte Fall im Herzen Russlands. Die Bissopfer in der Sklifossowski-Klinik reanimierten noch in derselben Nacht.
Wie üblich möchte ich am Ende des heutigen Eintrages wieder jemanden eine Stimme geben, der nicht mehr gehört wurde. Sein Schicksal ist vielleicht nicht von historischer Bedeutung, im Großen und Ganzen ist er aber doch Teil des Großen und Ganzen und hat es verdient, dass man sich an ihn erinnert. Bei diesem Dokument handelt es sich um die elektronische Korrespondenz eines rumänischen Ehepaares, die bei der Auswertung eines Notebooks zu Tage trat.
Australien / Rumänien

Dokument: privater Mailverkehr – Archiv-Nr. RO-AUS-009
Von: d.muresan82@tehno-solutions.ro
Datum: 11.August 0 (21:14 (AEST)
Betreff: Wichtig: Bleibe vorerst hier
Draga Elena
Ich schreibe dir diese Mail schnell vom Firmenrechner, weil mein Handy seit zwei Stunden keine Verbindung mehr nach draußen bekommt. Ich kann niemanden in Rumänien anrufen, nicht einmal die Zentrale. Es ist verrückt hier.
Elena, ich werde am Freitag nicht nach Hause kommen. Die australische Regierung hat vorhin den gesamten Luft- und Seeverkehr eingestellt. Komplett. Niemand kommt rein, niemand kommt raus. Es heißt, es gäbe eine schlimme Krankheit in Asien und Teilen Afrikas – eine Art extrem aggressive Tollwut oder ein Virus. Die Leute hier sind nervös. In Sydney habe ich heute Soldaten in vollen Schutzanzügen und mit Gasmasken gesehen, die Straßensperren errichten. Es sieht aus wie in einem Film.
Jetzt kommt das Unglaubliche: Die Regierung hat eine landesweite Rundfunkansprache gehalten. Sie bieten jedem Ausländer, der gerade im Land ist, sofort und unbürokratisch die australische Staatsbürgerschaft an. Sie sagen, sie wollen jeden schützen, der „auf ihrem Boden“ steht. Ich habe unterschrieben. Vielleicht ist das unsere Chance, Elena! Wenn sich das ganze beruhigt hat und die Flugzeuge wieder fliegen, hole ich dich und die Kinder nach.
Mach dir keine Sorgen wegen des Geldes. Mein Gehalt geht weiter auf unser gemeinsames Konto. Wir schreiben uns einfach jeden Tag per Mail. Küsse die Kinder von mir.
Dragos
An: d.muresan82@tehno-solutions.ro
Datum: 12. August 0 – 09:45 (EEST)
Status: nicht zugestellt – Server nicht erreichbar
Dragos, mein Lieber
Deine Mail hat mich erschreckt, aber auch irgendwie erleichtert. Hier in Bukarest reden die Leute auch über eine Grippe im Osten, aber die Nachrichten sagen nicht viel. Dass sie dir einfach so den Pass geben, ist ja Wahnsinn! Australien … ich habe es gegoogelt. Es ist dort so viel wärmer als hier und das Meer ist, wunderschön. Vielleicht ist es wirklich ein Zeichen, dass wir dort ein neues Leben anfangen sollen.
Der kleine Stefan fragt schon, wann Papa wieder da ist. Ich sage ihm, dass Papa bald ein Haus am Strand für uns sucht. Pass auf dich auf mit den Soldaten und den Masken. Melde dich schnell wieder!
In Liebe,
Elena
An: d.muresan82@tehno-solutions.ro
Datum: 16. August 0 – 14:20 (EEST)
Status: Nicht zugestellt – Route zum Zielserver unbekannt
Dragos!!! Warum antwortest du nicht?
Ich habe schreckliche Angst. Seit gestern ist hier alles anders. Gestern gab es eine weltweite Erklärung aus Wien – eine Frau Dr. Warm war im Fernsehen. Sie sagt, die Toten kommen zurück. Dragos, ich dachte erst, das ist ein schlechter Scherz, aber heute Morgen haben sie den Fernseher abgestellt. Die Nachbarn sagen, in der Ukraine gibt es kein Militär mehr, nur noch „sie“.
In den Straßen hier schreien die Leute. Ich habe die Wohnung verbarrikadiert, wie du es immer gesagt hast, falls mal eingebrochen wird. Ich hoffe so sehr, dass du in Australien sicher bist. Wenn sie alle Grenzen zugemacht haben, kommen diese Dinger vielleicht nicht zu dir.
Bitte, Dragos, wenn du das liest, schick uns ein Schiff oder irgendwas. Ich will nur dass wir zusammen sind.
Das wäre es dann für heute, es warten aber noch unzählige Dokumente auf ihre Auswertung, sie werden also schon bald wieder von mir hören (falls Sie das möchten. Bleiben Sie mir gewogen, bis bald.

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