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  • Geheime Einblicke in Dokumente der Pandemie

    Geheime Einblicke in Dokumente der Pandemie

    Ich wünsche einen schönen guten Abend hier aus meinem Archiv. Heute landete wieder einige Datensätze auf meinem Schreibtisch, von denen manche, so meine ich von besonderen öffentlichen Interesse sind. Ein Satz aus dem ehemaligen Deutschland, der uns vor Augen führt, wie die konsequente Geheimhaltung Europas zur Frühphase der Pandemie das Unglück nur beschleunigte. Ich bin auch auf eine besondere Pressesammlung aus Südafrika gestoßen, die man der Öffentlichkeit nicht vorenthalten sollten. Der Umstand, dass die HMS Daring momentan vor Anker liegt und generalüberholt wird bot mir die Gelegenheit, die Funkprotokolle des Schiffes auszuwerten, sie reichen bis in das Jahr 1 vor der Pandemie zurück. Auch hier fand ich einen Datensatz, der von öffentlichem Interesse ist. Ich werde auch heute meine Tradition fortführen und mit einem Einzelschicksal abschließen. Beginnen wir nun mit dem Beitrag aus Deutschland. Es handelt sich um ein Dokument aus der Frühphase Europas.

    Deutschland

    Eine Gruppe von Soldaten in einem kriegerischen Setting, während ein Soldat Notizen macht.

    Dokument 1.5: Einsatzbefehl – Operation „Heimatschutz Berlin“

    Ort: Julius-Leber-Kaserne, Berlin-Reinickendorf

    Datum: ? Jahr 0

    Zeit: 05:30 Uhr

    Sprecher: Oberst i.G. Holger von Stetten

    Empfänger: 3. Sanitätsregiment 1 / 7. ABC-Abwehrbataillon 7

    Protokoll der Ansprache

    (Oberst von Stetten tritt vor das Karree. Die Soldaten stehen in Formation, es herrscht gedrückte Stille. Die Morgensonne wirft lange Schatten auf den Appellplatz.)

    Oberst von Stetten:

    „Soldatinnen und Soldaten, rühren!

    Ich werde mich kurz fassen. Sie alle haben die Gerüchte der letzten Tage gehört. Vergessen Sie sie. Wir sind Soldaten der Bundeswehr, keine Leser von Klatschblättern. Die Lage in den Berliner Krankenhäusern und bei den zivilen Rettungskräften ist aufgrund einer unklaren Infektionslage angespannt. Der Senat hat um Amtshilfe gemäß Artikel 35 Grundgesetz ersucht.

    An die Sanitätskompanie: Ihr Auftrag lautet: Unterstützung des Personals in der Charité und im Virchow-Klinikum. Sie verstärken die Triage und die pflegerische Basisversorgung.

    Dabei gilt: Sie leisten diesen Dienst unbewaffnet. Wir sind hier nicht im Einsatzland, wir sind in der Bundeshauptstadt. Sie unterstehen fachlich den Anordnungen der zivilen Rettungskräfte und der Exekutive vor Ort.

    Zur Sicherheit und Geheimhaltung: Ich mache das unmissverständlich klar: Dieser Einsatz unterliegt der höchsten Geheimhaltungsstufe. Jeglicher Kontakt zur Presse, zu schaulustigen Dritten oder zur Außenwelt ist untersagt. Das gilt ab sofort auch für Ihre Angehörigen. Ihre Mobiltelefone werden bis auf Weiteres eingezogen. Wir können keine Panik in der Bevölkerung gebrauchen, nur weil ein Soldat glaubt, eine Schauergeschichte nach Hause schicken zu müssen. Bei Konfrontationen mit Zivilisten halten Sie sich zurück und wenden sich umgehend an die anwesende Polizei. Sie sind dort, um zu helfen, nicht um zu eskalieren.

    Nun zum ABC-Abwehrtrupp: Ihr Auftrag ist spezifisch. Sie unterstützen die Berliner Feuerwehr bei der Bergung und Entsorgung von kontaminiertem Material und Verstorbenen. Auch Sie führen keine Waffen. Zu Ihrem Schutz und zur Sicherung der nationalen Integrität werden Ihre Trupps jedoch permanent von Feldjägern und Einheiten der Berliner Polizei begleitet.

    Die Verstorbenen werden in Sondertransporten aus den Kliniken direkt an einen gesicherten Ort im Umland verbracht. Dort erfolgt unter Ihrer Aufsicht die sofortige thermische Vernichtung. Keine Autopsien, keine Aussegnungen, keine Verzögerungen. Brandschutz und Kontaminationsschutz haben oberste Priorität.

    Gibt es Fragen? Kurz und präzise!“

    Fragerunde

    Hauptgefreiter Müller (San.): „Herr Oberst, bei allem Respekt – was ist das für eine Krankheit? Die Leute in der Charité reden von Dingen, die… die medizinisch keinen Sinn ergeben. Müssen wir uns besonders schützen?“

    Oberst von Stetten: „Gefreiter, Sie sind Sanitäter, kein Virologe. Mit hochkomplexen medizinischen Details könnten Sie in Ihrer Funktion ohnehin nichts anfangen. Halten Sie sich an die ausgegebenen Hygienerichtlinien. Das muss Ihnen genügen.“

    Oberfeldwebel Schmidt (ABC): „Herr Oberst, Sie sprachen von Konfrontationen. Mit wem? Und wohin genau bringen wir die Toten? Wir müssen die Logistik für den Vorort planen.“

    Oberst von Stetten: „Oberfeldwebel, welche Konfrontationen entstehen könnten, werden Sie sehen, wenn es so weit ist. Und was den Bestimmungsort angeht: Die Koordinaten erhält der jeweilige Fahrzeugführer bei Abfahrt. Vorher nicht. Es ist ein geheimer Ort, und das bleibt er auch.“

    Abschluss

    Oberst von Stetten:

    „Lassen Sie mich eines deutlich sagen: Wir befinden uns in einer Lage, die nationale Disziplin erfordert. Wer die Geheimhaltung bricht, wer Informationen nach draußen trägt oder den Dienst verweigert, wird umgehend wegen Landesverrats und Gehorsamsverweigerung inhaftiert. Wir befinden uns faktisch im Verteidigungszustand, auch wenn es noch niemand so nennt.

    Haben wir uns verstanden?

    Sanitäter und ABC-Trupp: Abmarschbereitschaft in 15 Minuten!

    Abtreten!“

    Analyse des Archivars

    Oberst von Stetten wusste am 15. Juli bereits, dass die „Toten“ nicht immer tot blieben. Die Begleitung durch Feldjäger diente nicht dem Schutz der ABC-Soldaten vor Zivilisten, sondern dem Schutz vor den eigenen Kameraden, sollten diese bei den Verbrennungen im Berliner Umland (nahe dem ehemaligen Truppenübungsplatz Döberitzer Heide) die Nerven verlieren. Von den 180 Soldaten, die an diesem Morgen abtraten, kehrte keiner in seine Kaserne zurück.

    DOKUMENT 1.6: EINSATZPROTOKOLL „SÜD-WEST“

    Einheit: 2. Kompanie, Feldjägerregiment 1 (Begleitschutz)

    Einsatznummer: B-HK-07/15-02

    Datum: 15. Juli, Jahr 0

    Transport-ID: KONVOI-DELTA (3x LKW 5t gl, 1x SanPz Fuchs, 2x Feldjäger-Kfz)

    Zielort: Liegenschaft „Objekt 22-A“ (Ehemalige militärische Deponie, Brandenburg)

    I. ZEITLICHER ABLAUF

    21:14 Uhr: Beladung der LKW 1 bis 3 am rückwärtigen Ausgang der Charité abgeschlossen. Ladung: 42 „Sondereinheiten“ (verstorbene Patienten in vorschriftsmäßigen B-Schutzhüllen). ABC-Trupp unter Führung OFw Schmidt meldet Abmarschbereitschaft.

    21:50 Uhr: Konvoi verlässt das Stadtgebiet Berlin via AVUS. Keine besonderen Vorkommnisse. Die Geheimhaltung ist gewahrt.

    22:20 Uhr: Ankunft am Waldrand nahe „Objekt 22-A“. Der Konvoi stoppt vor dem verschlossenen Haupttor.

    22:22 Uhr: Beginn des Zwischenfalls.

    II. BESCHREIBUNG DES ZWISCHENFALLS

    Während der Prüfung der Einfahrtspapiere meldet der Fahrer von LKW 2 (HG Müller) über Funk ungewöhnliche Geräusche von der Ladefläche. Er beschreibt es als „heftiges Schlagen gegen die Bordwand“ und „Scharrgeräusche“.

    Ich (Hauptmann Weber) befahl OFw Schmidt (ABC), die Ladungssicherung visuell zu prüfen, ohne die Plane zu öffnen. Noch vor Durchführung des Befehls kam es zu massiven Erschütterungen im Inneren von LKW 2. Die Plane wurde von innen durchstoßen. Dabei wurde deutlich, dass die verwendeten B-Schutzhüllen (Leichensäcke) von innen zerrissen worden waren.

    Um 22:25 Uhr fiel eine der Einheiten vom Ende der Ladefläche direkt vor den SanPz Fuchs. Die Einheit (weiblich, ca. 60 Jahre, bekleidet mit Krankenhaushemd) wies keine Vitalzeichen auf, bewegte sich jedoch mit hoher Frequenz und unnatürlicher Kraft. Trotz einer offensichtlichen Fraktur des rechten Beins durch den Sturz versuchte die Einheit, die Feldjäger-Patrouille anzugreifen.

    III. MASSNAHMEN UND REAKTION

    Der ABC-Trupp geriet kurzzeitig in Panik. HG Müller verließ eigenmächtig das Fahrerhaus und wurde von einer zweiten Einheit, die von der Ladefläche sprang, am Hals verletzt.

    Gemäß der mündlichen Voranweisung von Oberst von Stetten für „Extremsituationen im Rahmen der Seuchenabwehr“ wurde die sofortige thermische Bereinigung vor Ort angeordnet.

    Feuerkampf: Die Feldjäger-Begleitung setzte ihre Dienstwaffen (HK G36) ein, um die flüchtigen Einheiten zu stoppen. Es wurde festgestellt, dass Treffer in den Torso keine Wirkung zeigten. Erst gezielte Treffer im Kopfbereich führten zur Immobilität.

    Brandsetzung: Da eine Rückführung der kontaminierten Fahrzeuge in die Kaserne ausgeschlossen war, wurden alle drei LKW inklusive der verbliebenen Ladung unter Einsatz von Brandbeschleunigern (Depotbestand Objekt 22-A) noch auf dem Zufahrtsweg vernichtet.

    IV. VERLUSTE UND SCHÄDEN

    Personal: HG Müller (San) – vermisst/als verloren eingestuft nach Bissverletzung und anschließendem Brandereignis.

    Material: 3x LKW 5t gl (vollständig zerstört), 42 Einheiten (thermisch neutralisiert).

    Personal (Sicherheit): Zwei Feldjäger unter Schock, nach Rückkehr in die Julius-Leber-Kaserne unter Quarantäne gestellt.

    V. BESONDERE BEOBACHTUNGEN

    Die Einheiten gaben während des gesamten Vorfalls keine Schmerzensschreie oder sonstige verbale Laute von sich. Das Geräusch beim Aufprall der Körper auf dem Asphalt glich dem von leblosem Material, ungeachtet der sofortigen anschließenden Angriffsbewegungen.

    Gez. Weber, Hauptmann

    Feldjägerregiment 1

    Anmerkung des Archivars

    Dieses Protokoll wurde nie archiviert, sondern sollte vernichtet werden. Ein Feldwebel der Schreibstube kopierte es heimlich, bevor er drei Tage später desertierte. Es ist das erste deutsche Militärdokument, das die Wirkungslosigkeit konventioneller Trefferzonen und die absolute Notwendigkeit der „thermischen Bereinigung“ faktisch belegt. Dass man HG Müller einfach dem Feuer überließ, zeigt, wie schnell die Menschlichkeit der militärischen Zweckmäßigkeit wich.

    Der nächste Datensatz führt uns ein ganzes Stück nach Süden, um genauer zu sein nach Johannesburg (Südafrika) hier handelt es sich um einen Pressetext, der etwa zu der Zeit entstand, als der wahre Charakter der Krankheit so allmählich publik wurde.

    Südafrika

    Eine Gruppe von Männern rennt durch eine staubige Landschaft, umgeben von einfachen Hütten. Sie sind schmutzig und scheinen emotional aufgeregt zu sein.

    THE JOHANNESBURG GAZETTE

    Mittwoch, 19. Juli, Jahr 0 | Preis: 18.00 Rand

    CHAOS IN DIEPSLOOT: POLIZEI AN DER BELASTUNGSGRENZE – WER SCHÜTZT UNSERE VORSTÄDTE?

    Von Hendrik van de Merwe

    JOHANNESBURG – Während die Regierung in Pretoria weiterhin von einer „kontrollierten Lage“ spricht, glichen die Szenen gestern in der informellen Siedlung Diepsloot einem Kriegsschauplatz. Fast das gesamte Aufgebot der South African Police Service (SAPS) aus dem Großraum Johannesburg wurde zusammengezogen, um einen vermeintlichen „Aufstand“ niederzuschlagen. Doch Augenzeugen berichten von weit verstörenderen Szenen als bloßen sozialen Unruhen.

    Gerüchte über die „Reanimations-Krankheit“, die bereits weite Teile Zentralafrikas und Südostasiens verheert hat, erhielten gestern neue Nahrung. Rauchwolken hingen über dem Slum, während gepanzerte Fahrzeuge versuchten, die engen Gassen abzuriegeln. Offiziell spricht das Innenministerium von „gewalttätigen Ausschreitungen unzufriedener Elemente“. Inoffiziell sickern Berichte über Hospitalisierungen durch, bei denen Patienten eine unnatürliche Aggression und „postmortale Symptome“ zeigten.

    Ein Skandal der Prioritäten

    Was die steuerzahlenden Bürger von Sandton, Bryanston und Houghton jedoch am meisten erzürnen sollte, ist nicht das Elend in den Townships, sondern die völlige Entblößung der zivilisierten Viertel. Während Hunderte von Polizisten ihre Zeit damit verschwenden, einen aussichtslosen Kampf in einem Viertel zu führen, das ohnehin keinen Beitrag zum Bruttosozialprodukt leistet, bleiben die echten Stützen der Gesellschaft schutzlos zurück.

    „Es ist ein Skandal“, sagt ein Anwohner einer Gated Community in Sandton. „Wir zahlen die höchsten Sicherheitssteuern der Welt, aber unsere Streifenwagen stehen jetzt in Diepsloot, um Sozialschmarotzer davon abzuhalten, sich gegenseitig zu beißen. Wer schützt uns, wenn diese Krankheit über die Mauern unserer Viertel klettert?“

    Die Sorge ist berechtigt: Wenn die Polizei alle Kräfte in einem „vernachlässigbaren Viertel“ bindet, entsteht ein Sicherheitsvakuum, das Kriminelle – und womöglich weit Schlimmeres – geradezu einlädt. Die Verbreitung der Krankheit auf den produktiven und wertvollen Teil der Gesellschaft scheint nur noch eine Frage der Zeit, wenn die Quarantäne-Maßnahmen weiterhin so halbherzig durchgeführt werden.

    Pretoria beschwichtigt weiter

    Ein Sprecher der Regierung wies die Kritik der Gazette gestern Abend scharf zurück. „Wir haben ein begrenzbares Problem in Diepsloot“, hieß es in einer kurzen Mitteilung. „Jeder Bürger Südafrikas, ungeachtet seines Wohnortes, hat eine Daseinsberechtigung und Anspruch auf staatlichen Schutz. Wir rufen zur Besonnenheit auf und warnen vor Spaltung.“

    Besonnenheit ist jedoch schwer zu wahren, wenn man sieht, wie die Ressourcen der Nation in den Abgrund der Townships geworfen werden, während die Sicherheit derer, die dieses Land am Laufen halten, sträflich vernachlässigt wird. Wenn Diepsloot fällt, ist das eine Tragödie. Wenn Sandton fällt, ist es das Ende von Südafrika.

    Analyse des Archivars

    Dieser Artikel der „Johannesburg Gazette“ ist ein Paradebeispiel für die soziale Fragmentierung während der Phase 1. Anstatt die medizinische Gefahr des Thanatomorphus zu erkennen, wurde das Problem durch die Linse von Klasse und Rasse betrachtet. Die Arroganz der „Steuerzahler“, die glaubten, Mauern könnten ein Virus aufhalten, führte dazu, dass die Evakuierung der Stadtgebiete viel zu spät eingeleitet wurde. Diepsloot war nicht der Aufstand, vor dem sie sich fürchteten – es war das Grab, das sie alle erwartete.

    Beim nächsten Beitrag handelt es sich um den Auszug der Funkprotokolle der HMS Daring. Sie haben die Kommunikation zwischen Jean-Luc Moreau einem Kommissar der Europäischen Union und Admiral Thomas Miller, dem damaligen Kommandanten der HMS Daring.

    Jersey, Großbritannien

    Ein Kriegsschiff im Sturm, das eine Rakete startet, während Wellen um das Schiff toben.

    DOKUMENT 2.3: FUNKPROTOKOLL – SEKTOR KANALINSELN

    Datum: ? Jahr 0

    Zeit: 14:32 Uhr UTC

    Station Alpha: HMS DARING (Zerstörer der Type 45, Royal Navy)

    Station Beta: CHARLIE-QUEBEC 01 (Eurocopter AS332, Kennung: République Française)

    Einstufung: GEHEIM (Archiv New Britain)

    HMS Daring: Unbekannter Hubschrauber auf Kurs 320, Position 15 Meilen südlich von Jersey. Hier spricht HMS Daring. Sie dringen in eine militärische Sperrzone ein. Drehen Sie sofort ab auf Kurs Süd.

    CQ-01 (Pilot): HMS Daring, hier Charlie-Quebec 01. Wir führen einen diplomatischen Sonderflug durch. An Bord befindet sich EU-Kommissar Jean-Luc Moreau. Wir erbitten sofortige Landeerlaubnis auf dem Flughafen Jersey zur Evakuierung von Kulturgütern und Personal.

    HMS Daring: Charlie-Quebec 01, negativ. Gemäß dem königlichen Dekret vom 22. Juli ist der gesamte Luftraum über den Kanalinseln für nicht-britische Flugkörper gesperrt. Das Territorium wird zur exklusiven Evakuierung britischer Staatsbürger befestigt. Drehen Sie ab, oder Sie werden abgefangen.

    CQ-01 (Kommissar Moreau übernimmt den Funk): Hören Sie mich gut, Kapitän? Hier spricht Kommissar Moreau. Ich genieße volle diplomatische Immunität nach der Wiener Konvention. An Bord befinden sich unschätzbare Werke der europäischen Geschichte. Sie haben nicht das Recht, mich aufzuhalten. Öffnen Sie den Luftraum!

    HMS Daring: Monsieur Moreau, hier spricht Captain Miller. Meine Befehle stammen direkt vom Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Seiner Majestät dem König. Es gibt keine Ausnahmen für Diplomaten. Die Inseln sind überfüllt und unterliegen dem Kriegsrecht.

    CQ-01 (Moreau): (Stimme wird lauter, höhnisch) Ihre Majestät? Machen Sie sich nicht lächerlich! Großbritannien mag die Union verlassen haben, aber Sie sind immer noch wirtschaftlich an uns gebunden. Wenn Sie mir den Durchflug verweigern, werde ich dafür sorgen, dass Ihr Königreich nach dieser Krise komplett isoliert wird. Ich unterhalte mich nicht mit einem Lakaien in Uniform. Verbinden Sie mich mit einem gewählten Regierungsvertreter! Ihr König wurde nicht gewählt, er hat keine demokratische Legitimation, mir – einem Vertreter der europäischen Institutionen – Befehle zu erteilen!

    HMS Daring: (Ruhig) Monsieur, es gibt keine zivile Regierung mehr, die Ihren Anruf entgegennimmt. In zehn Meilen erreichen Sie britisches Hoheitsgebiet. Wir sind angewiesen, den Luftraum mit allen Mitteln, einschließlich Luftabwehrraketen des Typs Sea Viper, gegen unbefugte Eindringlinge zu verteidigen. Dies ist keine Verhandlung. Dies ist eine Warnung.

    CQ-01 (Moreau): (Schreit) Leere Phrasen! Sie wagen es nicht, auf einen EU-Kommissar zu feuern! Diese antiquierte Monarchie ist am Ende, und Sie klammern sich an Protokolle aus dem Mittelalter, während die Welt brennt. Sie sind ein Relikt, Kapitän! Jersey gehört der Menschheit, nicht einer Krone, die…

    HMS Daring: Monsieur, genug. Dies war Ihre letzte Warnung. Ich stelle den Funkverkehr jetzt ein. Drehen Sie ab oder tragen Sie die Konsequenzen. Ende.

    CQ-01 (Moreau): …Sie und Ihr kleiner König werden vor einem Tribunal landen! Die Welt braucht keine Könige mehr, wir brauchen Vernunft und…

    CQ-01 (Pilot): (Übersteuert, panisch) Monsieur, halten Sie den Mund! Radar-Lock! Wir haben ein Aufschaltsignal! HMS Daring, wir drehen ab! Wir drehen a— SCHEISSE! FLARE! FLARE! RAKETE IM ANFLUG! SIE HABEN GEFEUERT! GOTT, SIE HABEN WIRKLICH—

    (Statisches Rauschen, ein heftiges Knallen, dann Funkstille)

    HMS Daring: Radarziel vernichtet. Position 12 Meilen südlich Jersey. Keine Überlebenden wahrscheinlich. Vermerken: Verletzung des königlichen Luftraums unterbunden. Zurück zu Routinepatrouille.

    Analyse des Archivars

    Der Abschuss von Kommissar Moreau über dem Ärmelkanal markiert das Ende der politischen Diplomatie des 21. Jahrhunderts. Während Moreau über demokratische Legitimation stritt, hatten die Streitkräfte der Nationalstaaten bereits zur archaischen Logik des Territoriums zurückgefunden. Die Kunstwerke an Bord – darunter drei Originale von Rubens – versanken im Meer. Es war das erste Mal, dass eine „zivilisierte“ Nation eine Rakete auf einen Verbündeten feuerte, nur um eine Quarantänezone zu halten.

    Den heutigen Abschluss bildet die Nachricht einer bulgarischen Krankenschwester an eine krankheitsbedingt freigestellte Kollegin und scheinbar auch gute Freundin. Die Nachricht wurde über einen zu dieser Zeit recht beliebten Messenger Dienst versandt. Ich stieß darauf, als ich herrenlose Mobiltelefone, die an Bord eines Flüchtlingsschiffes gefunden wurden auswertete. Sie stammt aus der frühen Phase auf dem Kontinent.

    Bulgarien

    Eine Krankenschwester spricht mit einer Patientin im Krankenzimmer. Die Patientin liegt im Bett, während die Schwester sich um sie kümmert.

    Dokument 1.7: WhatsApp-Verlauf (Extrakt)

    Absender: Elena T. (Krankenschwester, Universitätsklinikum Sofia)

    Empfänger: Mila K. (Kollegin, krankgeschrieben)

    Datum: 05. August, Jahr 0

    Zeit: 21:12 Uhr

    Elena:

    Mila, bist du wach? Ich hab versucht dich anzurufen, aber es geht nur die Mailbox ran. Ich hoffe, das Fieber ist gesunken… 🤒

    Du glaubst nicht, was heute in der Klinik los war. Es war der reinste Wahnsinn, ein einziger Albtraum. Ich sitze gerade im Zug nach Hause. Er ist fast komplett leer, obwohl es erst kurz nach neun ist. Es ist so verdammt still in der Stadt, es fühlt sich falsch an.

    Mila, ich glaube, sie haben die Kontrolle völlig verloren. Den ganzen Tag mussten wir impfen, die Schlange stand bis draußen auf die Straße. Die Leute haben geschrien und Panik gehabt wegen der Nachrichten aus der Türkei. 💉

    Zuerst hat mir Dr. Ivanov dieses Breitband-Vakzin gegeben, das wir letzte Woche bekommen haben. Aber nach drei Stunden war die letzte Ampulle weg. Als ich ihn nach Nachschub fragte, hat er mir einen Karton mit Masern-Impfstoff in die Hand gedrückt! 😮 Ich dachte, er hat sich vergriffen, aber er hat mich nur angesehen und gesagt: „Das geht genauso gut, Elena. Spritzen Sie einfach weiter.“

    Es wurde noch schlimmer. Als die Masern-Spritzen leer waren, gab er mir Ampullen mit irgendeinem Blutdrucksenker. Ich hab ihn gefragt: „Doktor, das ist kein Impfstoff, was machen wir hier?“ Und er hat mich nur angeherrscht: „Wer von uns ist hier der Arzt? Tun Sie, was ich sage!“

    Und dann der totale Absturz… Gegen Abend war gar nichts mehr da. Nichts. Er hat mir eiskalt befohlen, die benutzten Ampullen unauffällig mit Kochsalzlösung zu füllen und sie den Leuten zu spritzen! 😱 Ich meinte zu ihm, das sei gegen jede Hygienevorschrift, und was das überhaupt bringen soll?

    Mila, er sah so alt aus. Er meinte nur ganz leise und müde: „Es ist jetzt eh schon egal, Elena. Hauptsache, die Leute sind beruhigt, wenn sie nach Hause gehen. Vielleicht wirkt das Salzwasser ja sogar durch ein Wunder…“ – aber sein Gesicht hat gesagt, dass er selbst nicht mehr an Wunder glaubt.

    Bevor ich aus seinem Büro gegangen bin, hab ich gesehen, wie er sich ein Glas randvoll mit Wodka eingeschenkt hat. Du weißt doch, Ivanov hat in den zehn Jahren, die wir da sind, nie einen Tropfen angerührt! Er war immer der Korrekteste von allen.

    Ich habe Angst. Wenn selbst Ivanov anfängt zu trinken und Kochsalz als Impfung verkauft, dann kommt da etwas auf uns zu, gegen das keine Medizin der Welt hilft.

    Bitte melde dich, wenn du das liest. Ich fühle mich, als wäre ich die Einzige, die noch bei Verstand ist in diesem leeren Zug. 🏚️🚋

    Analyse des Archivars

    Elena T.s Nachricht dokumentiert das „Placebo-Stadium“ der Krise. In Sofia, wie in vielen anderen Metropolen, versuchten die Behörden durch vorgetäuschte medizinische Kompetenz Zeit zu kaufen, während die Lagerhäuser für echte Impfstoffe längst leer waren. Dr. Ivanovs Rückfall in den Alkoholismus war ein Symptom der kollektiven Kapitulation der medizinischen Elite.

  • Es gibt keine Denkverbote

    Ein herzliches Willkommen, ich freue mich sehr, dass ich Sie wieder begrüßen darf. Heute hab ich ganz besonderes Material auf meinem Schreibtisch. Sie werden sich sicher fragen, was es mit dem Denkverbot auf sich hat. Nun mein erstes Fundstück beschäftigt sich mit dem Umstand, dass Russland schon sehr früh auch an sein Kernwaffenpotenzial dachte. Dank eines Kollegen, der durch Zufall über ein Sitzungsprotokoll des deutschen Bundestages stolperte bekommen wir einen Einblick in die Entscheidungsschwäche der deutschen Politik, die schlussendlich dem Virus nur entgegenkam. Neben diesen beiden Punkten müssen wir auch die Zeugenaussage eines ehemaligen griechischen Matrosen einordnen. Beginnen wir also mit dem Beitrag aus Russland.

    Eine zerstörte Stadt mit einem riesigen Atompilz über der Szenerie, umgeben von dunklen Wolken und Rauch.

    STRENG GEHEIM NUR FÜR DEN PERSÖNLICHEN GEBRAUCH – NACH EINTRAG ZU VERNICHTEN

    DATUM: ?, 23:54 Uhr ORT: Gefechtsstand „Objekt 402“, 300 Meter unter der Erdoberfläche

    Ich habe in den letzten dreißig Jahren vieles gesehen. Ich habe Übungen mitgemacht, bei denen wir den Untergang der Welt simuliert haben. Aber was heute Nacht geschah, entzieht sich jeder militärischen Logik, die ich jemals gelernt habe.

    Um 21:15 Uhr traf das rote Kurierpaket ein. Direkt aus dem Kreml, bestätigt durch den Generalstab. Ich dachte erst an eine Übung zur Überprüfung der Reaktionszeit – das tun sie oft, wenn der Westen wieder züngelt. Doch als ich die versiegelten Umschläge mit den neuen Zielkoordinaten öffnete, fühlte ich eine Kälte, die kein Beton der Welt abhalten kann.

    Wir haben die Zielkoordinaten für fast die Hälfte unserer landgestützten Interkontinentalraketen geändert. Aber nicht auf Washington, London oder Paris. Die neuen Koordinaten liegen in den südlichen Ballungszentren, in unseren eigenen östlichen Industriegebieten und entlang der westlichen Grenzstädte. Wir richten unsere Schwerter gegen unseren eigenen Körper. Rostow, Krasnodar, Wladiwostok…

    Ich konnte es nicht fassen. Ich griff zum abhörsicheren Telefon und verlangte meinen direkten Vorgesetzten, Marschall Schaposchnikow. Meine Stimme zitterte nicht, aber sie war belegt von Unglauben.

    „Marschall“, sagte ich, „hier muss ein schwerwiegender Irrtum vorliegen. Ein technischer Fehler bei der Datenübermittlung oder ein Kompromiss des Systems. Die neuen Ziele liegen innerhalb unserer Föderation. Der Feind lauert im Westen, hinter der NATO-Linie. Warum zielen wir auf unsere eigenen Leute?“

    Es herrschte eine lange Stille am anderen Ende der Leitung. Ich hörte nur das schwere Atmen des Marschalls, das Rascheln von Papier und im Hintergrund – was ich mir nur als das ferne Echo von Schüssen in einem Korridor vorstellen konnte.

    Dann antwortete er, seine Stimme klang hohl, wie aus einem Grab: „Nein, Antonow. Es ist kein Fehler. Der Feind befindet sich bereits in Russland. Er ist mitten unter uns. Befolgen Sie Ihre Befehle ohne weitere Fragen. Stellen Sie die Einsatzbereitschaft unverzüglich her.“

    Ich habe den Befehl weitergegeben. Meine Männer an den Konsolen schauen mich mit hohlen Augen an. Sie wissen nicht, was sie da programmieren, aber sie spüren, dass die Welt da draußen gerade aufhört zu existieren. Wenn ich den Schlüssel drehe, werde ich der Henker meiner eigenen Nation sein.

    Gott stehe uns bei, wenn er noch zuschaut.

    Nur kurze Zeit später starteten die ersten Raketen.

    Kommen wir nun zu einer Nation, die nicht so entscheidungsfreudig war, wobei man sagen muss, dass die Staaten in Mitteleuropa nicht dafür bekannt waren spontan zu handeln. Hier konnte ein Entscheidungsprozess schon einige Zeit in Anspruch nehmen. Aber zur Ehrenrettung sollte man trotz allem anmerken, dass es auch Russland nicht gelang den Erreger auszubremsen.

    Eine leidenschaftliche Frau spricht wütend während einer Anhörung und zeigt mit dem Finger auf das Publikum.

    DEUTSCHER BUNDESTAG

    22. Wahlperiode

    Protokoll der 142. Sitzung (Sondersitzung)

    Vorsitz: Präsidentin des Deutschen Bundestages, Helene Schwarz

    Gegenstand: Erklärung der Bundesregierung zur aktuellen pandemischen Sicherheitslage


    Ablauf der Sitzung

    Präsidentin Helene Schwarz:

    (Eröffnet die Sitzung unter massivem Lärmpegel im Saal)

    „Meine Damen und Herren, bitte nehmen Sie Platz! Wir befinden uns in einer nationalen Tragödie, aber das ist kein Grund, die parlamentarische Ordnung preiszugeben. Herr Abgeordneter Meyer, setzen Sie sich! Ich rufe die Sitzung zur Ordnung. Das Wort hat die Bundeskanzlerin.“

    Bundeskanzlerin Dr. Karin Altmost:

    (Tritt ans Rednerpult. Sie wirkt blass, aber entschlossen)

    „Frau Präsidentin, meine Damen und Herren. Wir stehen vor einer Prüfung, wie sie die Bundesrepublik noch nie erlebt hat. Die Berichte aus Dresden, Leipzig und Frankfurt an der Oder sind erschütternd. Weite Teile Sachsens und Brandenburgs sind nicht mehr unter staatlicher Kontrolle. Auch in Berlin-Mitte, nur wenige Kilometer von hier, kämpfen unsere Polizeikräfte einen aussichtslosen Kampf gegen die Infizierten. Die Exekutive ist personell am Ende.“

    Zwischenruf eines Abgeordneten (Opposition):

    „Dann schicken Sie endlich die Panzer! Worauf warten Sie?“

    Dr. Karin Altmost:

    „Ich werde den Befehl zum Einsatz der Bundeswehr im Inneren – über die Amtshilfe hinaus – nicht unterzeichnen. (Unruhe im Saal) Hören Sie mir zu! Die Geschichte dieses Landes lehrt uns, was passiert, wenn wir die Grenze zwischen innerer und äußerer Sicherheit dauerhaft einreißen. Eine Remilitarisierung der Gesellschaft unter dem Vorwand der Notwehr öffnet die Tür für Kräfte, die wir mühsam besiegt geglaubt haben. Ob faschistisches Gedankengut oder kommunistische Willkür – ein bewaffneter Einsatz gegen die eigene Bevölkerung, egal in welchem Zustand sie sich befindet, zerstört das demokratische Fundament Deutschlands!“

    Präsidentin Helene Schwarz:

    (Unterbricht die Kanzlerin, ihre Stimme ist zittrig)

    „Frau Kanzlerin, bei allem Respekt vor dem Grundgesetz… die Polizei in Chemnitz existiert de facto nicht mehr. Die Menschen werden in ihren Häusern belagert. Ist die Theorie wichtiger als das nackte Überleben?“

    Abgeordneter Dr. Weber (Regierungsfraktion!):

    (Steht auf, ohne das Wort zu haben)

    „Karin, das ist Wahnsinn! Unsere Wähler werden gefressen, während wir hier über historische Sensibilitäten debattieren! Wir brauchen die Pioniere, wir brauchen die medizinischen Korps der Armee!“

    Dr. Karin Altmost:

    (Schlägt aufs Pult)

    „Ich werde nicht die Kanzlerin sein, die das Kriegsrecht ausruft und damit den Weg für einen neuen Totalitarismus ebnet! Wir werden die zivilen Strukturen stärken, koste es, was es wolle.“


    Debattenverlauf (Auszug)

    Die anschließende Debatte war geprägt von nie dagewesener Schärfe. Abgeordnete fast aller Fraktionen schilderten verzweifelte Nachrichten aus ihren Wahlkreisen.

    • Abgeordneter Lindner (Opposition): Warf der Kanzlerin „dogmatische Blindheit“ vor. Er forderte die sofortige Mobilmachung, um die Evakuierungskorridore aus Berlin-Ost zu sichern.
    • Präsidentin Helene Schwarz: (Greift erneut ein) „Ich muss dem Kollegen Lindner hier beipflichten. Wenn wir jetzt nicht handeln, wird es keinen Bundestag mehr geben, den man vor Militarismus schützen könnte.“

    Wortgefecht zwischen Kanzlerin und Abgeordneten:

    RednerInhalt
    Abg. Schmidt„In Frankfurt/Oder patrouillieren keine Polizisten mehr, sondern Untote!“
    Kanzlerin Altmost„Und Sie wollen, dass Soldaten dort das Feuer eröffnen? Das ist ein Tabubruch, den diese Republik nicht überlebt.“
    Präsidentin Schwarz„Frau Kanzlerin, die Republik überlebt gerade physisch nicht!“

    Abstimmung

    Gegenstand: Dringlichkeitsantrag der Opposition auf sofortigen Einsatz der Bundeswehr im Inneren zur Bekämpfung der Z-Virus-Pandemie und Sicherung der Städte.

    Ergebnis:

    Obwohl die Debatte eine klare Sprache sprach und selbst die Bundestagspräsidentin offen mit dem Antrag sympathisierte, zeigte sich bei der namentlichen Abstimmung das Bild der parlamentarischen Disziplin:

    • Ja-Stimmen: 285 (Opposition und vereinzelte Abweichler der Regierung)
    • Nein-Stimmen: 340 (Regierungsfraktionen)
    • Enthaltungen: 12

    Ergebnis: Der Antrag ist abgelehnt.

    Präsidentin Helene Schwarz:

    (Mit belegter Stimme)

    „Der Antrag ist abgelehnt. Die Regierungsfraktionen haben geschlossen gegen den Einsatz gestimmt. Gott stehe uns bei. Die Sitzung ist geschlossen. Bitte begeben Sie sich umgehend in die gesicherten Tiefbereiche des Hauses.“

    Bei genaueren Blick auf diese Debatte verwundert es nicht, dass Europa so ein leichtes Opfer war. Die größte Volkswirtschaft des Kontinentes streckte ihre Waffen ja schon beinahe freiwillig.

    Kommen wir nun zum Abschluss, den bildet heute der Bericht eines griechischen Matrosen und stammt von der Frühphase der Pandemie. Er war Teil einer Mission, die „seltsame“ Vorfälle auf vorgelagerten griechischen Inseln zu untersuchen hatten.

    Zwei Soldaten rennen aus einem Boot, während sie Gewehre tragen. Im Hintergrund sind verwüstete Figuren zu sehen, die dem Chaos entkommen.

    PROTOKOLL ÜBER DIE MISSION „SANTORINI-DELTA“ BERICHTERSTATTER: Nikolas Pappas, Matrose 1. Klasse (Hellenische Küstenwache) STATUS: Überlebender / In Quarantäne an Bord der ITS Giuseppe Garibaldi

    Die Landung
    Wir erreichten den Hafen um 09:00 Uhr. Es war totenstill. Keine Fischerboote, kein Funkverkehr, nur das Klatschen der Wellen gegen die Kaimauer. Ich ging mit zwei Polizisten der Sondereinheit und einem Sanitäter namens Aris an Land. Der Hafen war völlig leer – keine Leichen, kein Blut, nur verlassene Autos, deren Türen offenstanden. Wir hielten das für ein Zeichen einer Evakuierung und rückten etwa 1,5 Kilometer ins Landesinnere vor, Richtung der nächsten Ortschaft.

    Der Erstkontakt
    Mitten auf der Dorfstraße saß eine Person. Sie wirkte apathisch, den Rücken zu uns gekehrt. Als der Polizist Dimitris sie ansprach und ihr die Hand auf die Schulter legte, drehte sie sich mit einer Geschwindigkeit um, die unnatürlich war. Bevor jemand reagieren konnte, hatte sich diese Gestalt in Dimitris’ Gesicht verbissen.

    Wir versuchten, sie zu trennen. Wir schlugen auf den Angreifer ein, zerrten an ihm, aber er spürte keinen Schmerz. Der andere Polizist und ich zogen unsere Waffen. Wir feuerten drei Mal direkt in den Torso des Angreifers. Er blutete kaum, und er ließ nicht los. Erst als Dimitris aufhörte zu schreien, ließen wir von ihm ab. Wir sahen weitere Gestalten, die aus den Gassen kamen – wankend, aber zielstrebig. Der Rückweg zum Hafen war bereits durch sie versperrt.

    Das Haus des Grauens
    In der Panik flüchteten wir in ein offen stehendes Haus. Der Gestank im Inneren war unerträglich. Im Wohnzimmer stießen wir auf etwa sieben dieser Wesen. Sie knieten im Kreis um etwas auf dem Boden – eine Leiche, die sie gerade systematisch verspeisten. Als sie uns bemerkten, erhoben sie sich zeitgleich. Es gab keinen Ausweg mehr. Ich schrie: „Lauft einfach!“, und wir setzten alles auf eine Karte. Wir stürmten blindlings durch die Reihen dieser Gestalten hindurch. Ich spürte ihre kalten, blutverschmierten Hände an meiner Jacke, aber wir schafften es ins Freie.

    Die Flucht ins Meer
    Kurz vor dem Hafen hörten wir Schüsse. Unsere Kameraden auf dem Boot hatten das Feuer eröffnet, weil die ersten Untoten bereits die Kaimauer erreicht hatten. Das Boot legte panisch ab. Uns blieb keine Wahl: Wir sprangen ins Hafenbecken und schwammen mit letzter Kraft. Aris, der Sanitäter, schaffte es gerade noch so an Bord.

    Der Kapitän gab in der Panik Vollgas und riss das Ruder herum. Es gab ein furchtbares metallisches Kreischen – der Motor überhitzte oder wurde durch Trümmer im Wasser beschädigt. Wir trieben manövrierunfähig aufs offene Meer hinaus.

    Rettung durch die Italiener
    Drei Tage trieben wir in der glühenden Hitze. Wir dachten, wir wären die Letzten. Dann sahen wir ihn am Horizont: Den italienischen Flugzeugträger. Er wirkte wie eine schwimmende Stadt. Überall an Deck waren Menschen, Zivilisten, Flüchtlinge. Sie nahmen uns auf, aber die Nachricht der Italiener war niederschmetternd: Das Festland ist gefallen. Ganz Italien, ganz Griechenland… es gibt kein „Zuhause“ mehr, zu dem wir zurückkehren könnten. Wir sind jetzt Nomaden auf dem Wasser.

    Ich habe jetzt mein Pulver für den heutigen Tag verschossen und möchte Sie mit besten Wünschen entlassen. Bleiben Sie mir gewogen. Ich würde mich freuen, Sie ein weiteres mal hier begrüßen zu dürfen. Auf meinem Schreibtisch wartet noch der eine oder andere Informationsschatz.